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Russlands ,,Great Game" im Irak und Iran

Während in Amerika die Debatten rund um den Sturz Saddam Husseins immer intensiver geführt werden, rückt auch Russland in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese Woche schloss Russland mit dem Irak einen Handels- und Wirtschaftsvertrag über 40 Mrd. Dollar. Gleichzeitig wurden mit führenden Politikern aus dem Iran Gespräche über nukleare Nichtverbreitung geführt. Der frühere britische Diplomat und nunmehrige Chefstratege der russischen Investmentbank Vereinigte Finanzgruppe, Christopher Granville, analysiert im Folgenden die langfristigen Interessen Russlands und dessen wahrscheinlichen Aktionen.

Während die Bush-Administration offenbar ungestört durch andere Länder ihre Überlegungen hinsichtlich eines militärischen Eingreifens im Irak anstellt, verfolgt Russland in dieser Region zwar ernsthafte Interessen, verfügt aber über lediglich marginale militärische Stärke. Die Bedeutung Russlands in einem möglichen Krieg zwischen den USA und dem Irak liegt allerdings weniger in seiner verblassenden militärischen Stärke, als vielmehr darin, welches Licht seine Haltung nicht nur auf das Problem mit dem Irak wirft, sondern auch auf das andere Mitglied in der ,,Achse des Bösen", nämlich auf den Iran.

Bis dato fiel die russische Regierung unter Putin vor allem durch ihr Schweigen zur Situation zwischen den USA und dem Irak auf. Werden russische Diplomaten um einen Kommentar gebeten, weichen sie auf Standardformeln über die Umsetzung von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates aus und betonen die Notwendigkeit, jegliches Vorgehen gegen den Irak vom Sicherheitsrat absegnen zu lassen. Im Gegensatz zu den führenden westeuropäischen Ländern, zieht man in Moskau lieber die Köpfe ein, was auch dem Wunsch Putins und seiner Regierung entspricht, die immer noch auf wackeligen Beinen stehende Annäherung an die USA nicht zu gefährden.

Diese Erklärung passt allerdings nicht zur russischen Politik gegenüber dem Iran. Trotz des Drucks aus den USA verkauft die Regierung Putin noch immer Waffen und zivile Atomtechnologie an Teheran. Die Atomfrage stand auch beim jüngsten Besuch des amerikanischen Energieministers Spencer Abraham in Moskau auf der Tagesordnung.