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Worum es bei den Protesten in Russland geht

MOSKAU – Der ehemalige Finanzminister Alexej Kudrin, heute Vorsitzender der russischen Rechnungskammer, hat gewarnt, das Land riskiere eine Welle von Protesten, hervorgerufen durch einen sinkenden Lebensstandard und weit verbreitete Armut. Er hat Unrecht.

Kudrin wird allgemein als der Fahnenträger der liberalen Technokraten angesehen, die im illiberalen System des russischen Präsidenten Wladimir Putin arbeiten, und seine Worte haben bei aufgeschlossenen Beobachtern ein großes Gewicht. Aber bei der Beurteilung der heutigen sozialen Unruhen in Russland verwechselt Kudrin wirtschaftlichen Frust mit etwas Wesentlichem: dem Kampf um die Würde.

Natürlich haben die Russen ernsthafte wirtschaftliche Probleme. Der Rückgang des realen Haushaltseinkommens - den Kudrin als Hauptgrund für die öffentliche Verdrossenheit nannte - hält seit 2014 ununterbrochen an. Damals traf Putin die kostspielige Entscheidung, die Krim zu annektieren. Es überrascht nicht, dass der private Verbrauch schwach ist. Und im vergangenen Jahr, als die Regierung drastische Rentenreformen durchführte - die unter anderem das Rentenalter um fünf Jahre anhoben -, waren die Proteste der Bevölkerung laut genug, um Putin nicht nur zu zwingen, die Politik öffentlich zu verteidigen, sondern auch einige Zugeständnisse zu machen.

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