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Die tragische Fehleinschätzung des Kreml

KOPENHAGEN – Russlands Aggression gegen die Ukraine ist eine der großen Tragödien unserer Zeit, nicht nur weil sie einen hohen Tribut an Menschenleben fordert, sondern auch weil sie vollkommen sinnlos ist. Die russische Führung hat die Absichten des Westens grundlegend falsch eingeschätzt und eine vollkommen unnötige Konfrontation verursacht, die den Interessen beider Seiten zuwiderläuft.

Für Russland und den Westen – mit ihren eng verflochtenen Volkswirtschaften und vielen übereinstimmenden politischen Zielsetzungen in Europa und darüber hinaus – ist eine friedliche Zusammenarbeit von großem Vorteil. Doch anstatt mit westlichen Mächten an der Förderung des gemeinsamen Wohlstands zu arbeiten, hat sich der Kreml gegen seine Partner im Ausland gewendet.

Der Grund war einfach: Russland betrachtete die schrittweise Erweiterung der Europäischen Union und der NATO – die durch deren „Nachbarschaftspolitik“ beziehungsweise „Politik der offenen Tür“ erreicht worden ist – als sorgfältig inszenierten Versuch, das Land einzukesseln und zu bedrohen. Der Rhetorik des Kreml zufolge haben die EU und die NATO mit der Aufnahme ehemals sowjetischer Länder explizit versucht, Russland zu schwächen. Diese Interpretation hat Russland letztlich bewogen, auf die Pläne der Ukraine, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, mit der Annexion der Krim zu reagieren und zu versuchen, einen „eingefrorenen Konflikt“ in der Ostukraine zu schaffen.

Doch Russlands Interpretation war offenkundig falsch – und ich weiß, wovon ich rede. Als Ministerpräsident von Dänemark war ich Vorsitzender des EU-Gipfels 2002 in Kopenhagen, bei dem sich europäische Staats- und Regierungschefs auf die größte Erweiterung in der Geschichte der Gemeinschaft geeinigt haben. Und als NATO-Generalsekretär habe ich fünf Jahre lang den Vorsitz des NATO-Russland-Rates geführt, um die Zusammenarbeit mit unserem größten Nachbarn aufzubauen.