Russland und die Kosovo-Karte

TIFLIS – „Erst denken, dann handeln“ erweist sich sowohl in der Außenpolitik als auch im Leben als vernünftiges Prinzip. Dennoch ist die Regierung Bush schon wieder drauf und dran, zu handeln ohne vorher nachzudenken. Obwohl fehlende Vorausschau als Hauptgrund für das Irak-Debakel gilt, bereiten die Vereinigten Staaten (möglicherweise mit britischer Unterstützung) die unilaterale Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo vor – und zwar ohne Rücksicht auf die Folgen für Europa und die Welt.

Obwohl formal ein Teil Serbiens, steht der Kosovo seit 1999 unter Verwaltung der UNO, die von NATO-Truppen unterstützt wird. Nachdem allerdings die albanische Mehrheit im Kosovo einen eigenen Staat verlangt und Russland den Plan des UNO-Vermittlers Martti Ahtisaari über eine bedingte Unabhängigkeit ablehnt, bereiten sich die USA auf einen Alleingang vor. Statt darüber nachzudenken, was Ahtisaari für undenkbar hielt – nämlich die Teilung des Kosovo in einen kleineren nördlichen Teil, der an Serbien gehen soll und einen südlichen Teil, der entweder den ethnischen Brüdern der Kosovaren in Albanien angegliedert oder ein eigener Staat werden soll - planen die USA ohne den Segen der UNO aktiv zu werden und rechtfertigen dies damit, dass nur ein unabhängiger Kosovo auf dem westlichen Balkan für Stabilität sorgen kann.

Dieses Argument ist fragwürdig – und das bisherige Wirken der kosovarischen Regierung legt nahe, dass es auch falsch ist. Die Position der USA ist jedoch absolut unklug, weil man nicht einsieht, dass der „Präzedenzfall Kosovo“ auch anderswo zu Instabilität und möglicherweise sogar zu Gewalt führen wird.

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