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Der Weg in Richtung Vollinvestition

LONDON – Ein Gespenst geht um in den Finanzministerien und Zentralbanken des Westens – das Gespenst der säkularen Stagnation. Was, wenn es nicht zu einer nachhaltigen Erholung nach dem wirtschaftlichen Einbruch der Jahre 2008 bis 2013 kommt? Was, wenn die Quellen des  Wirtschaftswachstums versiegt sind – nicht nur vorübergehend, sondern für immer?

Dieser neue Pessimismus kommt nicht von Marxisten, die schon immer nach untrüglichen Zeichen für den Zusammenbruch des Kapitalismus Ausschau hielten, sondern aus dem Zentrum des politischen Establishments: nämlich von Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister unter Präsident Bill Clinton und zur einen oder anderen Zeit irgendwo immer Chefökonom.

Summers’ Argument lautet kurzgefasst: wenn die erwartete Rentabilität der Investitionen sinkt, müssen auch die Zinsen in gleichem Ausmaß sinken.  Doch Zinssätze können nicht unter null fallen (tatsächlich könnten sie über null feststecken, wenn ein starker Wunsch nach dem Aufbau von Barguthaben besteht). Das könnte dazu führen, dass die Gewinnerwartungen unter die Kosten der Kreditaufnahme sinken.

Es besteht weitgehende Einigkeit, dass diese Entwicklung während des Tiefpunkts eines Abschwungs eintreten könnte. Um diese Möglichkeit auszuschalten, begannen die Zentralbanken nach 2008 Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Das wirklich Neue an Summers‘ Argument besteht in der Behauptung, dass die „säkulare Stagnation“ 15 bis 20 Jahre vor dem Absturz einsetzte.