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Riskante Beratung

BRIGHTON – Warum erleben wir anscheinend immer mehr unangenehme Überraschungen mit unserer Technologie? Zu älteren Problemen wie beispielsweise dem Ozonloch sind letztes Jahr die BP-Ölpest und in diesem Jahr die nukleare Katastrophe von Fukushima in Japan hinzugekommen. Wir glauben, dass der Kern der Frage in der Art der Entwicklung und Kommunikation wissenschaftlicher Beratung liegt.

Zur Unterstützung öffentlichkeitsrelevanter politischer Entscheidungen wird zunehmend die Wissenschaft herangezogen, insbesondere im Bereich neuer und komplexer Technologien wie genveränderter Nahrung, neuer Chemikalien und miteinander konkurrierender Energiesysteme. Aufgrund von Unsicherheiten gegenüber Gefahren, Vorteilen und möglicher Nebenwirkungen ist es schwierig, sich für eine von mehreren Optionen zu entscheiden und diese durchzuführen. Zweifel bestehen nicht nur in Bezug auf Wahrscheinlichkeiten, sondern auch über die Ergebnisse selbst und ihre Bedeutung. Oft sind mächtige wirtschaftliche Interessen im Spiel, wodurch sich der Druck weiter erhöht.

Viel zu oft werden Expertenmeinungen nur dann als besonders nützlich eingeschätzt, wenn sie in Form einer einzigen “definitiven” Interpretation vorliegen. Daher unterschätzen Experten im Allgemeinen die Unsicherheit. Und in dem Maße, in dem sie Unsicherheit berücksichtigen, reduzieren sie diese gern auf ein messbares “Risiko”..

Dabei ist Risiko nur ein – relativ gut steuerbarer – Aspekt von Unsicherheit. Jenseits der bekannten Annahmen in Bezug auf Risiko liegen tiefere Dilemmas von Ungewissheit und Unkenntnis.