3

Arbeitsmarkt im Wandel – Die Ökonomie der Unabhängigen

BERKELEY – In hochentwickelten Volkswirtschaften ist es nicht mehr der Normalfall Vollzeit bei einem einzigen Arbeitgeber angestellt zu sein. Stattdessen verkaufen Millionen von „unabhängigen Arbeitskräften“ – Selbständige, Freiberufler oder Leiharbeiter – ihre Arbeitskraft, Dienstleistungen und Produkte auf digitalen Plattformen an eine Vielzahl von Arbeitgebern oder Kunden.

Der wachsende Anteil unabhängiger Beschäftigungsverhältnisse, die normalerweise mit flexiblen Arbeitszeiten einhergehen, verspricht bedeutende gesamtwirtschaftliche Vorteile durch steigende Erwerbsquoten, eine Erhöhung der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden und eine Verringerung der Arbeitslosigkeit. Doch aus dieser sogenannten „Gig-Economy“ erwachsen auch komplexe neue Herausforderungen für die Politik, da Besteuerung, Regulierung und Zugang zu Sozialleistungen und Sozialschutz traditionell innerhalb der klassischen Arbeitgeber-/Arbeitnehmerbeziehungen geregelt werden.

Einer Studie des McKinsey Global Institute zufolge arbeiten derzeit bis zu 162 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten und den EU-15-Staaten in unabhängigen Arbeitsverhältnissen. Basierend auf einer repräsentativen Online-Befragung von 8.000 Arbeitskräften in sechs Ländern (einschließlich USA) hat McKinsey festgestellt, dass unabhängige Beschäftigung für 10-15% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die Haupteinkommensquelle darstellt. Weitere 10-15% – unter anderem Studenten, Rentner, Personen, die Haus- und Familienarbeit verrichten und Festangestellte – bessern ihr Einkommen durch unabhängige oder zeitlich befristete Tätigkeiten auf.

Die Ergebnisse dieser Studie stellen mehrere weit verbreitete Auffassungen über unabhängige Arbeit in Frage. Erstens sind es nicht vorwiegend junge Leute, die dieser Form von Beschäftigung nachgehen: Lediglich 25% der unabhängig Beschäftigten sind jünger als 25 Jahre. Auch in puncto Einkommens- und Bildungsniveau, Geschlecht, Beruf und Branche herrscht Vielfalt.