Richard Thaler Scott Olson/Getty Images

Eine weitere Nobel-Überraschung für die Wirtschaftswissenschaften

NEW HAVEN – Der Gewinner des diesjährigen Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften, Richard Thaler von der University of Chicago, ist eine umstrittene Wahl. Thaler ist bekannt dafür, sich ein Leben lang mit Verhaltensökonomie (und ihrem Teilgebiet, der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie) beschäftigt zu haben. Dabei handelt es sich um das Studium der Ökonomie (und der Finanzwissenschaft) aus psychologischer Perspektive. Manche Vertreter der Zunft stehen der Vorstellung, wonach psychologische Forschung überhaupt Teil der Ökonomie sein sollte, seit Jahren feindselig gegenüber. 

Das ist bei mir nicht der Fall. Ich finde es wunderbar, dass sich die Nobel-Stiftung für Thaler entschieden hat. Der Wirtschaftsnobelpreis wurde bereits an mehrere Personen verliehen, die als Verhaltensökonomen bezeichnet werden können, darunter an George Akerlof, Robert Fogel, Daniel Kahneman, Elinor Ostrom und an mich. Mit Thaler sind das etwa 6 Prozent aller jemals verliehenen Wirtschaftsnobelpreise.

Dennoch halten es viele in Ökonomie und Finanzwissenschaft für das beste, menschliches Verhalten unter Umgehung der Psychologie zu beschreiben und es stattdessen als mathematische Optimierung einzelner und unerbittlich egoistischer Individuen zu modellieren, die finanziellen Beschränkungen unterliegen. Freilich sind nicht alle, ja nicht einmal eine Mehrheit der Ökonomen von dieser Sicht der Dinge überzeugt, wie an der Tatsache zu sehen ist, dass sowohl Thaler als auch ich in aufeinander folgenden Jahren zu Präsidenten des wichtigsten Berufsverbandes der Ökonomen in den USA, der American Economic Association gewählt wurden. Doch zweifellos haben sich zahlreiche unserer Kollegen durchaus diesen Ansichten verschrieben.

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