3

Wunderbare Isolation?

LONDON − Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat die britische Volkswirtschaft an einen Kadaver gekettet. Großbritannien wird durch endlose bürokratische Vorschriften an eine Reihe moribunder Volkswirtschaften ohne Wachstumsaussichten gefesselt, und den britischen Exporteuren wird dadurch der Zugriff auf die schnell wachsenden Märkte des Commonwealth und der sich entwickelnden Welt versperrt.

So lautet, auf den Punkt gebracht, die Ansicht der britischen Euroskeptiker, und diese Sichtweise hat in den letzten Jahren der in Zeitlupe ablaufenden Krise in Europa eine beträchtliche Kraft entwickelt. Die Tatsachen freilich erzählen eine deutlich andere Geschichte.

Ein aktuelle Studie des Center for European Reform (CER) geht der Frage nach, was die Mitgliedschaft im gemeinsamen Markt Großbritannien tatsächlich bringt. Die gängige Antwort ist, dass die enge Verflechtung mit dem übrigen Europa dem Land den Zugriff auf einen Markt mit mehr als 500 Millionen Menschen eröffnet und der britischen Volkswirtschaft eine gesunde Dosis an Wettbewerb und Investitionen verpasst, die dazu beiträgt, die Produktivität zu erhöhen.

Das CER hat diese Analyse ein ganzes Stück weitergetrieben, indem es den britischen Handel mit Ländern inner- und außerhalb der EU gemessen und die Ergebnisse um die wirtschaftliche Größe und eine Reihe andere Faktoren, die sich auf den Handel auswirken – wie die Entfernung zu den Märkten – bereinigt hat. Auf dieser Grundlage lässt sich ermitteln, ob der britische Handel mit den anderen EU-Ländern größer oder kleiner ausfällt als angesichts der Größe und Lage ihrer Volkswirtschaften eigentlich zu erwarten.