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Wie kann der Tod Venedigs rückgängig gemacht werden?

VENEDIG – Bei einer der schlimmsten Überflutungen in der Geschichte Venedigs wurden kürzlich einige der berühmten Kulturstätten der historischen Altstadt überschwemmt, darunter auch der Dom am Markusplatz. Dies ist erst das sechste Mal in 1.200 Jahren, das der Dom unter Wasser stand, aber das vierte Mal in den letzten zwei Jahrzehnten und das zweite Mal innerhalb von weniger als 400 Tagen. Bei diesem Tempo könnten Venedigs empfindliche calli, campi und palazzi, die langsam in den Sedimentboden sinken, innerhalb von Jahrzehnten weggespült sein. Aber was ist mit den Menschen, die dort wohnen?

Um Städte zu beschreiben, verwendeten die alten Römer zwei Wörter: urbs, was sich auf die Gebäude und die Infrastruktur bezieht, und civitas, die aktive und engagierte Bürgerschaft. Heute sorgt sich die Welt um Venedigs durchnässte und beschädigte urbs. Zweifellos sind die Gebäude der Stadt bereits von einem geringen Anstieg des Meeresspiegels stark betroffen – also auch gegen den, der durch den Klimawandel verursacht wird. Aber wie stark sich die venezianische civitas auflöst, wurde bisher kaum erkannt.

Venedigs Bevölkerung geht bereits seit Jahrzehnten zurück. Die Einwohnerzahl liegt heute nur noch bei einem Drittel derjenigen von vor fünfzig Jahren. Aber dieser Rückgang ist nur ein Symptom einer Seuche, die sich zunehmend verschlimmert: der rücksichtslosen Förderung des Massentourismus und mangelnden Investitionen in menschliches Kapital.

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