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Neustart zwischen der Türkei und der EU

MADRID – Vor gerade einmal fünf Monaten war Osama bin Laden noch am Leben, Hosni Mubarak hielt in Ägypten die Zügel fest in der Hand und  Zine el-Abidine Ben Ali regierte Tunesien mit eiserner Faust. Mittlerweile haben sich in der ganzen Region Volksaufstände und politischer Wandel ausgebreitet. Wir sind Zeugen der brutalen Niederschlagung von Protesten in Syrien und im Jemen geworden, des Einmarsches saudischer Truppen in Bahrain und der anhaltenden Schlacht um Libyen.

Aufgrund dieses „arabischen  Frühlings“ sollte Europa seine Aufmerksamkeit wieder einem Thema zuwenden, das in den letzten Monaten größtenteils ignoriert wurde: die Vorteile einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union. Angesichts der sich unter den gegenwärtigen Umständen bietenden enormen Chancen, sollten die Vorteile eines türkischen Beitritts für Europa auf der Hand liegen.

Nun, da Recep Tayyip Erdoğan als türkischer Premierminister wiedergewählt wurde  und mit Polen Ende dieses Monats ein Land die EU-Präsidentschaft übernimmt, das die strategischen Bedeutung Europas sehr genau kennt, ist für die EU und die Türkei die Zeit für einen „Neustart“ der Verhandlungen über einen türkischen Beitritt zur Europäischen Union gekommen.   

Die Vorteile eines türkischen  Beitritts waren für Europa schon vor dem „arabischen Frühling“ sichtbar. Europa ist definitionsgemäß kulturell vielfältig. Daher ist diese Vielfalt Europas Bestimmung. Und wenn Europa ein aktiver globaler Akteur und kein Museum werden soll, bedarf es neuer Perspektiven und der Energie der Menschen  in der Türkei.