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Erinnerung an den Wert des Vergessens

SINGAPUR – „Seid vorsichtig mit dem, was ihr auf Facebook von euch preisgebt”, warnte US-Präsident Barack Obama amerikanische High-School-Schüler im vergangenen September. „Was ihr auch macht, es wird euch später in eurem Leben wieder einholen.“

Tatsächlich lernen wir diese Lektion alle auf schmerzliche Art: digitale Informationen verschwinden fast nie, auch wenn wir es uns noch so wünschten. Die Folge ist das Fortbestehen der Vergangenheit in der Gegenwart. Dieses Faktum ist eine der größten Herausforderungen vor der die Gesellschaft steht, nachdem Computer und Internet immer mehr zu einem Teil unseres Lebens werden.

Über Jahrtausende war die Speicherung von Informationen kostspielig und zeitaufwändig und das Vergessen war ein natürlicher Teil des Menschseins. Im digitalen Zeitalter gilt das Gegenteil: Durch billigen Speicherplatz am Computer, starke Prozessoren und allgegenwärtigen Zugang zum Internet ist das Erinnern zur Norm geworden.  

Man bedenke Folgendes: Wir neigen dazu, Rohfassungen, jahrelangen E-Mail-Verkehr, tausende grauenhafte digitale Schnappschüsse auf unseren Festplatten zu speichern. Nicht, weil wir glauben, dass all dies es wert wäre, aufgehoben zu werden, sondern weil dieses Aufbewahren heutzutage die Regel geworden ist. Im Gegensatz dazu ist die Entscheidung, etwas zu löschen aufwändig. Daten loszuwerden ist mit Mühen und einem größeren zeitlichen Aufwand verbunden, als sie zu behalten. Deshalb klicken wir für alle Fälle auf „Speichern“.