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Regulierung revisited

NEW YORK – Wir befinden uns mitten in der schlimmsten Finanzkrise seit den 1930er Jahren. Das auffallendste Merkmal der Krise ist, dass sie nicht durch einen externen Schock, wie etwa einer Anhebung der Ölpreise durch die OPEC, ausgelöst wurde. Die aktuelle Krise entstand durch das Finanzsystem selbst.

Dieses Faktum – die Existenz eines inhärenten Systemfehlers – steht im Widerspruch zur allgemein anerkannten Theorie, wonach Finanzmärkte ein Gleichgewicht anstreben und Abweichungen von diesem Gleichgewicht entweder zufällig oder durch ein plötzlich auftretendes externes Ereignis entstehen, an das sich die Märkte nur schwer anpassen können. Der derzeit praktizierte Ansatz der Marktregulierung basiert auf dieser Theorie, aber die Intensität und das Ausmaß der Krise bestätigen überzeugend, dass mit dieser Theorie prinzipiell etwas nicht stimmt.

Ich habe eine alternative Theorie entwickelt, die besagt, dass Finanzmärkte die grundlegenden Bedingungen nicht exakt abbilden. Vielmehr präsentieren sie ein auf die eine oder andere Weise einseitiges oder verzerrtes Bild. Noch bedeutsamer ist, dass die verzerrten Ansichten der Marktteilnehmer, die sich in Marktpreisen ausdrücken, unter gewissen Umständen die so genannten Fundamentaldaten in Mitleidenschaft ziehen, die eigentlich ein Abbild der Marktpreise darstellen sollen.ampnbsp;

Diesen Rückkoppelungsmechanismus zwischen Marktpreisen und der zugrunde liegenden Realität bezeichne ich als „Reflexivität“.ampnbsp; Ich behaupte, dass Finanzmärkte immer reflexiv sind undampnbsp; gelegentlich ziemlich weit vom so genannten Gleichgewicht abweichen können. Mit anderen Worten: Finanzmärkte neigen dazu, Blasen hervorzubringen. ampnbsp;ampnbsp;ampnbsp;