Europe border check. Artur WidakNurPhoto/ZUMA Press

Das Leben nach Schengen

LONDON – Während der sich seit über zwei Jahren zuspitzenden Flüchtlingskrise in Europa, sind zunehmend Warnungen vor der Bedrohung für die wertvolle Reisefreiheit ohne Grenzkontrollen im Schengen-Raum der Europäischen Union laut geworden. Erst vor Kurzem war die Warnung erneut zu hören, als die EU-Innenminister am späten Abend nach einem Sondergipfel eine Einigung über Grenzkontrollen und die Verteilung von Flüchtlingen präsentierten. Aber wäre es in Zeiten, in denen das Vertrauen in die EU gesunken ist, denn wirklich so übel, das Reisen ohne Grenzkontrollen abzuschaffen?

Kurz gesagt: Nein. Natürlich besitzt der Gedanke, die Grenzen innerhalb von Europa abzuschaffen, große symbolische Bedeutung und ist sehr reizvoll. Aber manchmal müssen sogar heilige Kühe geschlachtet werden. Da die Flüchtlingskrise Schengen zu einer Bedrohung für die Glaubwürdigkeit der EU als kollektive Einheit werden lässt und die Fähigkeit ihrer Nationalregierungen gefährdet, die Ordnung und Rechtsgrundsätze aufrechtzuerhalten, ist die Zeit dafür gekommen.

Am ersten Übereinkommen zur Schaffung des Schengen-Raums im Jahr 1985 waren nur fünf Länder beteiligt (Belgien, Frankreich, Luxembourg, die Niederlande und Westdeutschland). Seither hat sich die Zahl der Mitglieder auf 22 von 28 EU-Mitgliedsländern aufgebläht – vier Länder (Bulgarien, Kroatien, Zypern und Rumänien) sind Beitrittskandidaten, gehören aber noch nicht dazu – und vier weitere Nicht-EU-Länder (Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein) gehören ebenfalls zu den Schengener Staaten. Alle haben Kontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen abgeschafft und verfolgen eine gemeinsame Visumpolitik für Bürger aus Nicht-EU-Staaten.

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