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Die Umgestaltung des Kapitalismus

PARIS: Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Volkswirtschaften kurzfristig treffen, so wie jetzt gerade in Washington, D.C., dann ist klar, wie ernst die aktuelle globale Krise ist. Sie haben nicht viel beschlossen, außer eine verbesserte Überwachung und Regulierung der Kapitalflüsse zu fordern. Wichtiger ist, dass sie sich zur Einleitung eines langfristigen Prozesses zur Reform des Weltfinanzsystems verpflichtet haben.

Wer von einem zweiten Bretton Woods träumte, wurde natürlich enttäuscht. Doch das ursprüngliche Bretton-Woods-Rahmenwerk wurde nicht an einem Tag errichtet; tatsächlich gingen der Konferenz des Jahres 1944 zweieinhalb Jahre vorbereitender Verhandlungen voraus – vermutlich das Mindeste, was man braucht, um derart gewichtige Fragen zu entscheiden. Der jüngste G20-Gipfel fand praktisch ohne echte Vorbereitung statt.

Jetzt gilt es, drei Aufgaben in Angriff zu nehmen. Erstens muss man einen Boden unter das internationale Finanzsystem setzen, um seinen Zusammenbruch zu verhindern. Zweitens bedarf es neuer rechtlicher Vorgaben für die Zeit, wenn sich das System erholt hat, denn wenn man es so belässt, wird es lediglich neue Krisen produzieren. Dabei die richtige Mischung zu finden, wird nicht einfach. Seit 25 Jahren erlebt die Welt alle fünf Jahre eine enorme Finanzkrise – jeweils scheinbar mit eigener Ursache.

Die dritte Aufgabe besteht darin, sich auf die realwirtschaftlichen Aktivitäten zu konzentrieren, die Rezession zu beenden, für nachhaltiges Wachstum zu sorgen und vor allem das kapitalistische System zu reformieren, um es weniger abhängig von der Finanzwirtschaft zu machen. Es gilt, statt kurzfristigen Profits langfristige Investitionen und statt Gewinnen auf dem Papier produktive Arbeit zu unterstützen.