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Quo vadis Iran?

Der Iran ist dabei, die größte historische Chance des Landes seit der Revolution von 1979, ja, vielleicht sogar der letzten hundert Jahre seit seiner ersten Verfassung im Jahr 1907, zu vertun. Und diese Chance heißt Barack Obama.

Dessen Politik der ausgestreckten Hand bietet für das Land diese einmalige Chance, wenn, ja, wenn die Führung in Teheran diese ergreifen wird, wofür gegenwärtig allerdings wenig bis nichts spricht. Denn für die Revolutionäre in Teherans Machtelite ist Obamas Angebot zugleich die größte Gefahr, da sie nichts so sehr fürchten, wie Öffnung und einen Abbau von Spannungen. Bush und seine Neocons waren hingegen willkommen, weil sie im Iran die Reihen geschlossen hielten und ihnen zudem den Irak und Afghanistan frei Haus lieferten.

Wie alle partiellen Modernisierer in autoritären Regimes wollen die Herrschenden in Teheran moderne Wirtschaft, Technik und Infrastruktur, aber keine Freiheit, Demokratie und Herrschaft des Rechts. Daher rührt ihre große Angst, ja fast schon Obsession vor einer erneuten „farbigen Revolution,“ an deren Zustandekommen sie aber faktisch weiter kräftig arbeiten.

In dem Drama von Wahlfälschung, Massendemonstrationen und dem Ruf nach Freiheit, Gewalt, Folter und Unterdrückung wird ein fundamentaler Konflikt über den Grundkurs der islamischen Republik innerhalb der Machtelite des Irans sichtbar – Öffnung oder Isolation, Integration oder Destabilisierung. Und diese Entscheidung ist in Teheran alles andere als definitiv gefallen, auch wenn die Isolationisten mit der erneuten Vereidigung Ahmadinedschads vorerst die Oberhand behalten haben.