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Schwieriger Besuch aus China

NEW YORK – „Ihre Majestät ist ein nettes Mädchen, aber sie hat nicht viel zu sagen“, sang Paul McCartney vor fast fünfzig Jahren. Jetzt, mit neunzig, scheint Königin Elizabeth II plötzlich entschlossen zu sein, diese Ansicht zu widerlegen.

Während einer Frühlingsfeier im Garten des Buckingham Palace – also bei der vornehmsten Gelegenheit, die man sich vorstellen kann – beschwerte sich die britische Monarchin kürzlich über die Entourage, die den chinesischen Präsidenten Xi Jinping 2015 bei seinem Staatsbesuch in London begleitet hatte. In einem dokumentierten Gespräch mit Lucy D’Orsi, einer Londoner Polizeichefin, nannte die Queen die chinesischen Beamten „sehr grob“ und zeigte Verständnis für das „Pech“ D’Orsis, sich mit ihnen beschäftigen zu müssen.

Zunächst einmal verließen laut D’Orsi chinesische Beamte abrupt ein Treffen mit ihr und Barbara Woodward, der britischen Botschafterin in China, wobei sie drohten, den gesamten Besuch abzubrechen. Und was die Queen selbst betrifft, wäre ihre gemeinsame Ausfahrt mit Xi entlang der Londoner Mall in einer Pferdekutsche offensichtlich beinahe durch einen chinesischen Sicherheitsbeamten gestört worden, der als offizieller Übersetzer auftrat.

Natürlich sind kulturelle Konflikte während hochrangigen internationalen Besuchen keineswegs ungewöhnlich. 2009, als die US-Präsidentengattin Michelle Obama während eines Empfangs kurz ihre Hand auf den Rücken der Queen legte, schimpften die britischen Medien, wenn einem die Herrscherin nicht die Hand reiche, dürfe man sie niemals berühren. George W. Bush wurde 2007 dafür kritisiert, dass er nach einem Fehler bei einer Rede der Königin zugezwinkert habe. (Vielleicht verlangt nur der japanische Kaiser von ausländischen Staatsführern, noch detaillierte Rituale zu befolgen.)