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Die Mängel der quantitativen Lockerung in Europa

CAMBRIDGE – Warum war die Politik der quantitativen Lockerung der US-Federal-Reserve so viel erfolgreicher als diejenige der Europäischen Zentralbank? Diese intellektuelle Frage führt direkt zu einer praktischen: Wird die EZB jemals in der Lage sein, quantitative Lockerung in stärkeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation zu verwandeln?

Die Fed hat die quantitativen Lockerungen – den Kauf großer Mengen langfristiger Anleihen und das Versprechen dauerhaft niedriger Kurzfristzinsen – eingeführt, nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, die US-Wirtschaft reagiere nicht angemessen auf die traditionelle Geldpolitik und das Haushaltsstimuluspaket des Jahres 2009. Ben Bernanke, der damalige Fed-Vorsitzende, glaubte, unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen könnten die Langfristzinsen senken und Investoren dazu bringen, von hochqualitativen Anleihen in Aktien und andere riskante Anlagen umzuschichten. Dies würde dann den Wert dieser Anlagen erhöhen, den Wohlstand der Haushalte steigern und die Konsumausgaben ankurbeln.

Diese Strategie ist aufgegangen. Allein im Jahr 2013 stiegen die Aktienkurse um 30% und die Immobilienpreise um 13%. Als Ergebnis erhöhte sich das Gesamtvermögen der Haushalte im selben Zeitraum um zehn Billionen Dollar. Das höhere Vermögen gab den Konsumenten Anreize zu höheren Ausgaben, die den üblichen Prozess der expansiven Multiplikatoren wieder in Gang brachten. 2013 stieg das BIP um 2,5%, und die Arbeitslosenquote fiel von 8% auf 6,7%. In den Jahren danach ging die Expansion weiter und ließ die Arbeitslosigkeit bis heute auf 5% fallen – und diejenige der Hochschulabsolventen auf nur 2,5%.

Die EZB verfolgte eine ähnliche Strategie großvolumiger Anleihenkäufe und extrem niedriger (und sogar negativer) kurzfristiger Zinsen. Aber obwohl die Maßnahmen denjenigen der Fed entsprechen, geht ihr Zweck in eine ganz andere Richtung.