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Putins Problem mit weicher Macht

CAMBRIDGE – Der russische Präsident Wladimir Putin hält an der verdeckten Aggression in der Ukraine ebenso fest wie der Westen an den Sanktionen gegen sein Land. Bedroht ist dadurch allerdings nicht nur die Wirtschaft. Auch Russlands weiche Macht schwindet - mit möglicherweise verheerenden Folgen.

Ein Land kann andere auf drei verschiedene Arten drängen, seinen Interessen zu dienen: durch Zwang, Geld oder Attraktivität. Putin hat es mit Zwang versucht – und dafür immer schärfere Sanktionen geerntet. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Putins wichtigste Gesprächspartnerin in Europa, bringt ihre Frustration hinsichtlich der russischen Politik gegenüber der Ukraine in zunehmend harschem Ton zum Ausdruck. Ungeachtet der kurzfristigen Vorteile, die Putins Aktionen in der Ukraine bringen mögen, gilt es festzustellen, dass langfristig die Nachteile überwiegen werden. Russland verliert den Zugang zu westlicher Technologie, die man für die Modernisierung der Industrie sowie zur Ausweitung seiner Erkundungsarbeiten im Hinblick auf Ölvorkommen in den arktischen Regionen benötigt.  

Angesichts einer strauchelnden Wirtschaft wird es für Putin auch zunehmend schwierig, das zweite Machtinstrument einzusetzen: nämlich Geld. Nicht einmal Russlands wertvollste Ressourcen, Öl und Gas, können die Wirtschaft retten wie Putins jüngster Gas-Liefervertrag mit China zeigt, im Rahmen dessen 30 Jahre lang Gas zu Schleuderpreisen verkauft werden soll.  

Bleibt nur noch Attraktivität – eine stärkere Machtquelle, als man erwarten würde. So hat China beispielsweise versucht, weiche Macht einzusetzen, um ein weniger bedrohliches Image zu kultivieren – von dem man hofft, dass es jene Koalitionen untergraben und sogar demotivieren wird, die sich als Gegengewicht zu seiner wachsenden wirtschaftlichen und militärischen Macht bildeten.