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Wie sich Russland über Wasser hält

WASHINGTON, DC – Ob die russische Wirtschaft langfristig nachhaltig ist, ist eine offene Frage. Die Vetternwirtschaft grassiert, und da das Land hochgradig von Öleinnahmen abhängig ist, leidet es unter den niedrigen Ölpreisen. Aber wenn uns die Sowjetunion eines gelehrt hat, dann die Tatsache, dass auch Systeme, die nicht nachhaltig sind, viele Jahre lang überleben können.

Das heutige Russland erinnert mich an das sowjetische System, das ich 1983 kennenlernte, als ich in Moskau lebte. Damals war der KGB-Vorsitzende Juri Andropow (der „Schlächter von Budapest“) noch an der Macht (auch wenn er unter schwacher Gesundheit litt). Ebenso wie heute war die Wirtschaft von niedrigen Ölpreisen, einer nicht lebensfähigen Wirtschaftsideologie, der Verstaatlichung wichtiger Industriezweige und einem autoritärem Regime geprägt.

Aber ein bemerkenswerter Unterschied ist, dass das russische makroökonomische Management heute auf viel kompetentere Weise stattfindet als damals. Trotz anhaltender Sanktionen des Westens besteht in Russland keine Gefahr eines Finanzierungsstopps. Aber trotzdem begrenzen die knappen Ressourcen die außenpolitischen Möglichkeiten des Kreml und verschärfen die Spannungen innerhalb der russischen Elite.

Seit dem Fall der Ölpreise im Juni 2014 ist Russland in der Weltwirtschaftsrangliste des Internationalen Währungsfonds vom sechsten auf den vierzehnten Platz zurückgefallen. Das BIP des Landes ist (nach dem aktuellen Dollarkurs berechnet) von 2,1 Billionen Dollar auf 1,1 Billionen gesunken, was nur 6% des US-BIP entspricht. (Und die Verteidigungsausgaben betragen nur 8% von denjenigen der USA.)