0

Der Schutz der Ausbildung in Konfliktgebieten

DOHA, LONDON – In Konfliktgebieten sind es oft die Kinder, die die Hauptlast der Gewalt tragen müssen. Im letzten Monat kamen bei wiederholten Luftangriffen auf ein Schulgelände in Idlib, Syrien, mindestens 22 Kinder ums Leben, und die Kinder in der belagerten syrischen Stadt Aleppo haben seit Monaten keine Möglichkeit, dem fast ständigen Bombenhagel zu entkommen. Wie die New York Times im September berichtete: „Sie können nicht spielen, schlafen oder zur Schule gehen. Und immer öfter können sie nicht essen.“

Nur wenige Wochen vor diesem Bericht explodierte im Süden Thailands eine Bombe vor einer Schule, gerade als die Eltern ihre Kinder dort hinbrachten. Durch die Detonation wurden ein Vater und seine vierjährige Tochter sofort getötet und zehn weitere verletzt. Brad Adams von Human Rights Watch bezeichnete den Bombenanschlag als Akt „unfassbarer Brutalität“: „Dies als Kriegsverbrechen zu bezeichnen, wird dem Schaden für die Opfer oder den weitreichenden Folgen, die solche Anschläge auf die Kinder in der Region haben, nicht völlig gerecht.“

Und am 13. August, einige Wochen vor dem Bombenanschlag in Thailand, wurden bei Luftangriffen auf eine Schule in der Saada-Region im Nordwesten von Jemen zehn Kinder getötet und dreißig weitere verletzt.

Angesichts dieser jüngsten Beispiele ist es dringend nötig, Anschläge – von staatlichen oder nicht staatlichen Akteuren – auf Ausbildungsinstitutionen und -einrichtungen zu verhindern. Deshalb hat Education Above All (EAA, Ausbildung Über Alles) das Fürsprecherprogramm Protect Education in Insecurity and Conflict (PEIC, Schutz der Ausbildung bei Unsicherheit und Konflikten) ins Leben gerufen.

Das Grundprinzip hinter PEIC ist einfach: Ausbildung bietet wichtige Möglichkeiten für Kinder und junge Menschen, und dies gilt um so mehr für Bewohner von Konfliktgebieten. Durch Schulen und Universitäten bekommen Schüler und Studenten eine wichtige Verbindung mit der Normalität. Sie werden ermutigt, Hoffnung zu schöpfen und ihren Zielen nachzugehen. Dort wird nicht nur die nächste Generation von Ärzten, Journalisten, Anwälten oder Kommunalpolitikern ausgebildet, sondern den Kindern werden auch Mentoren, Nahrung, Wasser und grundlegendes Gesundheits- und Hygienewissen zur Verfügung gestellt. Und trotzdem zeigen die Anschläge auf Schulen in Ländern wie Syrien, dem Jemen und dem Sudan, dass diese Einrichtungen, die eigentlich sichere Zufluchtsorte sein sollten, oft bedroht sind.

Wenn Kinder zu Konfliktzeiten immer noch Schulen besuchen können, werden sie nach dem Ende der Kämpfe die größte Hoffnung für den Wiederaufbau ihrer kriegsgeschüttelten Länder sein. Um das grundlegende Menschenrecht der Schüler und Studenten auf Ausbildung zu schützen, sollten Universitäten und Schulen in Konfliktgebieten genauso abgeschirmt werden wie Gesundheitseinrichtungen. In der Tat versammelt sich in Schulen – ebenso wie in Krankenhäusern – eine der verletzlichsten Bevölkerungsgruppen jeder Gesellschaft.

Angriffe auf Kinder und Schulen werden oft international verurteilt, aber Worte allein sind offensichtlich kein effektives Gegenmittel. Die Mission von PEIC besteht daher darin, die im internationalen Rechtswesen verankerten Durchsetzungsmechanismen zur Stärkung unseres gemeinsamen politischen Willens zu verwenden, um Angriffe auf Ausbildungseinrichtungen zu verhindern. EAA will sicherstellen, dass die Ausbildung als grundlegende Notwendigkeit für die menschliche Entwicklung anerkannt wird – und damit größtmöglichen Schutz genießt.

Wir müssen eine Welt schaffen, in der jeder, der lernen, lehren oder wissenschaftlich forschen möchte, dies in Frieden und mit Würde tun kann. Aber dieses gemeinsame Ziel erfordert gemeinsames Handeln, da zur Entwicklung der neuen internationalen Regeln zum Schutz von Ausbildungseinrichtungen in Konfliktgebieten Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen nötig sind.

Zu diesem Zweck hat setzt sich PEIC gemeinsam mit der Globalen Koalition zum Schutz der Ausbildung vor Angriffen intensiv für die Erklärung für sichere Schulen ein, die ein Versprechen zum Schutz von „Schulen und Universitäten vor militärischer Ausbeutung während bewaffneter Konflikte“ enthält. Um Schulkinder, Lehrer und Einrichtungen während Zeiten des Krieges zu schützen, ist diese Klausel von entscheidender Bedeutung. Wir hoffen, dass sich die gesamte Erklärung mit der Zeit zu einem universell anerkannten internationalen Standard entwickelt.

Im September wurde die Erklärung von Albanien als 56. Staat unterschrieben, und damit hat sich die albanische Regierung jetzt öffentlich dazu verpflichtet, die Ausbildung während Zeiten bewaffneter Konflikte zu schützen. Mit diesem Versprechen schließt sich Albanien Ländern wie dem Irak an, wo der Schutz der Zukunft der Kinder ein besonders dringendes Thema ist. Auch Argentinien, Brasilien, Chile, Italien, Kenia, Nigeria, Neuseeland, Norwegen, Katar und der Südsudan sind mit dabei.

EAA setzt sich dafür ein, Schulen davor zu bewahren, zu Schlachtfeldern zu werden, und ruft alle Länder, die die Erklärung noch nicht unterschrieben haben, dazu auf, dies zu tun. Diese Unterschrift entspricht einer politischen Absichtserklärung, sogar zu Zeiten schwerster Konflikte die Ausbildung zu schützen – also einer Verpflichtung zum Schutz der Kinder dieser Welt. Es liegt im Interesse jeden Landes, den Schülern und Studenten von heute die Möglichkeit zu geben, die Führungspersönlichkeiten von morgen zu werden. Angesichts zerstörter Schulen in Syrien, Jemen und anderen Konfliktgebieten ist die Erklärung zum Schutz der Schulen wichtiger als jemals zuvor.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff