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Die Mächte der Zukunft

Wer auf das turbulente Jahr, das sich nun seinem Ende zuneigt, zurückblickt, ist versucht, sich auf das zu konzentrieren, was Amerikas politische Führung dieser Tage als „erweiterten Mittleren Osten“ bezeichnet. Eine solche Rückschau würde uns offensichtlich in den Irak führen, nach Israel und Palästina – und zum Terrorismus.

Ein dauerhafter Frieden im Mittleren Osten könnte zu einer Zunahme von Wohlstand und Zusammenarbeit in der Welt führen. Wenn wir jedoch eine umfassendere Sichtweise anlegen, so erscheinen die Probleme des Mittleren Ostens lediglich als ein Aspekt der tiefer gehenden Veränderungen zwischen den Weltmächten. Tatsächlich wurden in 2004 tektonische Verschiebungen deutlich. Wir haben einen ersten Blick auf die „Mächte der Zukunft“ – um den Titel des kürzlich erschienenen Bestsellers des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt aufzunehmen – werfen können.

Schmidt ist sich zweier Entwicklungen sicher: Die Vereinigten Staaten bleiben die bestimmende Macht, und der Einfluss Chinas wird weiter zunehmen. Weniger sicher ist er sich, was die Zukunft Europas, Russlands und des Mittleren Ostens angeht.

Klar ist, dass 2004 hat uns eine Bestätigung der „harten“ Macht Amerikas geliefert hat – und der Entscheidung seiner Wähler für eine Politik der Werte anstelle der Interessen. Die Amerikaner hegen möglicherweise nicht den Wunsch, Soldaten und Kampfgerät an Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Orten weltweit zu stationieren, aber sie akzeptieren einen Präsidenten, der ihnen einfache – häufig martialische – Wahrheiten verkündet.