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Unnötige Instabilität

PARIS – Im normalen Leben überlässt man die Technik besser den Technikern. Ein Autofahrer muss - und will - nicht wissen, was unter seiner Motorhaube genau vor sich geht. Aber bei einer Panne hat er oft keine andere Wahl.

Dasselbe gilt auch für die Wirtschaft: obskure Themen bleiben den Spezialisten vorbehalten. Doch in den vergangenen Jahren wurde die öffentliche Debatte von Begriffen wie der Verbriefung von Krediten in Wertpapierform, Kreditausfällen und dem europäischen Zahlungssystem Target 2 bestimmt, von welchen die meisten noch nie etwas gehört hatten und auch nichts hören wollten. Dadurch wurden normale Menschen gezwungen, sich mit den entsprechenden Details auseinanderzusetzen.

Das gilt auch für den Begriff "potenzielles Produktionswachstum". Ursprünglich war dies ein Konzept von Ökonomen für Ökonomen, bei dem es darum geht, wann und um wie viel ein Staatsdefizit korrigiert werden muss. Jetzt wird es immer mehr zum Thema einer breiten Diskussion. Da es schon so weit gekommen ist, dass seine Unvorhersehbarkeit den Fiskalpakt der EU schwächt, ist der Moment gekommen, die Motorhaube zu öffnen und nachzuschauen, was da drinnen vor sich geht.

Zweck des Konzepts eines potenziellen Bruttoinlandsprodukts - im Gegensatz zu dem tatsächlichen Bruttoinlandsprodukt ist, wie bei einem Motor, zu berücksichtigen, ob eine Wirtschaft oft unter oder über ihrem Potenzial operiert. Bei einer nachfragegesteuerten Rezession fällt die tatsächliche Leistung unter das Potenzial, wodurch die Arbeitslosigkeit steigt. Gleichermaßen treibt ein kreditgetriebener Bauboom die Leistung über das Potenzial, die Folge ist Inflation.