Die Macht des Mohns

In diesem Monat verabschiedete das Europäische Parlament eine Afghanistan-Resolution, die weltweit einer neuen und aufgeschlosseneren Antidrogenpolitik den Weg ebnen könnte. Diese Resolution fordert die Teilnehmer einer Ende Januar in London stattfindenden Geberkonferenz auf „den Vorschlag einer offiziell genehmigten Opiumproduktion für medizinische Zwecke, wie sie schon zahlreichen anderen Ländern gewährt wurde, in Betracht zu ziehen.“

Ursprünglich wurde dieser Vorschlag während eines Workshops letzten September in Kabul von der in Paris ansässigen Organisation Senlis Council präsentiert. Der von den Europäischen Liberaldemokraten mit Unterstützung praktisch aller politischen Gruppierungen im Europäischen Parlament eingebrachte Text ist nicht nur deshalb revolutionär, weil er sich gegen konventionelle Denkmuster stellt, sondern auch, weil er das Thema über die sattsam bekannte Realität des „Drogenkrieges“ hinaus beleuchtet. In Afghanistan hat sich dieser so genannte Krieg im Wesentlichen auf Programme zur Ausrottung von Mohn und Projekte für alternative Existenzsicherung beschränkt, die aber nur dürftige Ergebnisse hervorbrachten. Diese neue Haltung des Europäischen Parlaments, so hoffe ich, markiert den Beginn eines radikalen politischen Umdenkens bei allen Akteuren, die am Wiederaufbau Afghanistans beteiligt sind.

Trotz konzertierter Aktionen zur Ausrottung des Mohns und Hilfsprojekten zum Anbau alternativer Nutzpflanzen, kamen laut einem Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung im Jahr 2005 87 % der weltweiten Opiumproduktion aus Afghanistan. Das entspricht einer Menge von ungefähr 4,1 Tonnen. Damit wurden 2,7 Milliarden Dollar an illegalen Einnahmen lukriert. Der Anteil dieser Einnahmen am BIP beträgt 52 %. Der im letzten November veröffentlichte Opiumbericht für Afghanistan 2005 geht davon aus, dass sich der Gesamtwert dieses Opiums nach Weiterverarbeitung zu Heroin und nach Versendung in alle Welt, auf über 40 Milliarden Dollar erhöhen könnte.

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