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Probleme beim BIP der armen Länder

SEATTLE – Selbst in finanziell guten Zeiten fließen die Entwicklungshilfe-Budgets nicht gerade über. Regierungsführer und Geber müssen harte Entscheidungen darüber treffen, worauf sie ihre begrenzten Ressourcen konzentrieren. Doch wie entscheidet man, welche Länder preiswerte Kredite oder vergünstigte Impfstoffe bekommen, und welche sich leisten können, ihre Entwicklungsprogramme selbst zu finanzieren?

Die Antwort hängt zum Teil davon ab, wie wir Wachstum und die Verbesserungen im Leben der Menschen messen. Einer der Leitfaktoren ist traditionell das BIP pro Kopf – der Wert der von einem Land im Jahr produzierten Waren und Dienstleistungen geteilt durch seine Bevölkerungszahl. Doch ist das BIP in den ärmsten Ländern möglicherweise ein unpräziser Indikator – was nicht nur für Politiker oder Leute wie mich, die eine Menge Weltbankberichte lesen, ein Anlass zur Besorgnis ist, sondern für alle, die Statistiken nutzen möchten, um damit für Hilfen für die ärmsten Menschen der Welt einzutreten.

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Ich bin schon seit langem der Ansicht, dass das BIP das Wachstum selbst in reichen Ländern, wo seine Erhebung recht ausgeklügelt ist, zu niedrig angibt, weil es sehr schwierig ist, den Wert von Warenkörben verschiedener Zeiträume zu vergleichen. In den USA etwa war eine Enzyklopädie 1960 teuer, aber hatte einen großen Wert für Familien mit bildungsinteressierten Kindern. (Ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe viele Stunden damit mit der Lektüre der mehrbändigen World Book Encyclopedia zugebracht, die meine Eltern für meine Schwester und mich gekauft hatten.) Heute haben Kinder dank des Internets Zugang zu sehr viel mehr Informationen, und zwar kostenlos. Wie berücksichtigt man das im Rahmen des BIP?

In Schwarzafrika sind die Schwierigkeiten bei der Berechnung des BIP besonders ausgeprägt. Dies liegt an den schlecht ausgestatteten nationalen Statistikämtern und an historischen Gegebenheiten, die wichtige Messgrößen verzerren. Morten Jerven, ein Juniorprofessor an der Simon Fraser University, der sich an von ihm als Problem wahrgenommenen Eigenheiten der staatlichen Statistiken Sambias stieß, hat über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht, wie afrikanische Länder ihre Daten erheben und welche Schwierigkeiten sie bei deren Überführung in ihre BIP-Schätzungen bewältigen müssen. Sein neues Buch, Poor Numbers: How We Are Misled by African Development Statistics and What to Do about It, argumentiert überzeugend, dass viele Messgrößen für das BIP anders als bisher angenommen alles andere als präzise sind.

Jerven vermerkt, dass viele afrikanische Länder Schwierigkeiten bei der Messung ihrer relativ umfangreichen Subsistenzwirtschaften und nicht erfassten Wirtschaftsaktivitäten haben. Wie weist man die Produktion eines Bauern aus, der seine eigenen Lebensmittel anbaut und verzehrt? Wenn Subsistenzlandwirtschaft systematisch unterbewertet wird, stellt Einiges, was sich beim Schritt aus der Subsistenzwirtschaft wie Wachstum ausnimmt, möglicherweise nur eine Verschiebung zu etwa dar, was sich statistisch leichter erfassen lässt.

Es gibt noch andere Probleme bei den BIP-Daten der armen Länder. So aktualisieren viele schwarzafrikanische Länder ihre Berichte nicht häufig genug, sodass in ihren BIP-Zahlen große, schnell wachsende Wirtschaftssektoren wie der Mobilfunk unberücksichtigt bleiben. Als Ghana seine Berichte vor einigen Jahren aktualisierte, machte sein BIP einen Sprung um 60%. Aber vielen Menschen war nicht bewusst, dass dies lediglich eine statistische Anomalie darstellte und keine tatsächliche Veränderung im Lebensstandard der Ghanaer.

Zudem gibt es verschiedene Methoden zur Berechnung des BIP, und diese können zu stark unterschiedlichen Ergebnissen führen. Jerven erwähnt drei davon: die von der Weltbank veröffentlichten Kennzahlen der Weltentwicklung (der am deutlich häufigsten verwendete Datensatz), die von der University of Pennsylvania veröffentlichten Penn World Tables und das Maddison-Projekt der Universität Groningen, das auf der Arbeit des verstorbenen Ökonomen Angus Maddison aufbaut.

Diese Quellen stützen sich auf dieselben grundlegenden Daten, aber modifizieren sie auf unterschiedliche Weise, um der Inflation und anderen Faktoren Rechnung zu tragen. Daher können ihre Rankings unterschiedlicher Länder stark voneinander abweichen. Liberia ist auf BIP-Basis Schwarzafrikas zweitärmstes, siebtärmstes oder 22stärmstes Land, je nachdem, welche Quelle man anlegt.

Es sind nicht nur die relativen Rankings, die sich unterscheiden. Manchmal zeigt eine Quelle für ein Land ein Wachstum um mehrere Prozentpunkte, und eine andere Quelle zeigt für denselben Zeitraum eine schrumpfende Wirtschaft.

Jerven argumentiert unter Verweis auf diese Diskrepanzen, dass wir uns nicht sicher sein können, ob das BIP eines armen Landes höher ist als das eines anderen, und dass wir uns nicht allein auf das BIP stützen sollten, um zu beurteilen, welche Wirtschaftspolitik zu Wachstum führt.

Bedeutet dies also, dass wir tatsächlich keine Ahnung haben, was in Bezug auf die Entwicklung funktioniert und was nicht?

Ganz und gar nicht. Die Wissenschaftler Researchers setzen schon seit langem Techniken wie periodische Haushaltserhebungen ein, um Daten zu erfassen. So werden etwa im Demographic and Health Survey regelmäßig Dinge wie die Sterberaten von Kindern oder Müttern ermittelt. Zudem nutzen die Ökonomen neue Techniken wie die Satellitenkartierung von Lichtquellen für ihre Schätzungen des Wirtschaftswachstums. Obwohl diese Methoden nicht perfekt sind, sind sie nicht für dieselben Probleme anfällig wie das BIP.

Andere Methoden zur Messung des allgemeinen Lebensstandards in einem Land sind ähnlich unvollkommen; trotzdem stellen sie zusätzliche Möglichkeiten zum Verständnis von Armut dar. Eine, der sogenannte Human Development Index, verwendet zusätzlich zum BIP Gesundheits- und Bildungsstatistiken. Eine andere, der Multidimensional Poverty Index, verwendet zehn Indikatoren, darunter Ernährung, Kanalisation und Zugriff auf Brennstoffe zum Kochen und auf Wasser. Und durch Verwendung der Kaufkraftparität, die die Kosten desselben Waren- und Dienstleistungskorbes in verschiedenen Ländern misst, können die Ökonomen das BIP bereinigen, um ein besseres Verständnis des Lebensstandards zu gewinnen.

Trotzdem ist mir klar, dass wir zusätzliche Ressourcen bereitstellen müssen, um die grundlegenden BIP-Zahlen korrekt zu erfassen. Wie Jerven argumentiert, brauchen die nationalen Statistikämter Afrikas mehr Unterstützung, um zeitnähere und präzisere Daten erheben und melden zu können. Die Regierungen der Geberländer und internationale Organisationen wie die Weltbank müssen mehr tun, um den afrikanischen Behörden zu helfen, zu einem klareren Bild ihrer Volkswirtschaften zu gelangen. Und die afrikanischen Politiker müssen konsequenter bessere Statistiken einfordern und bei ihren Entscheidungen zugrundelegen.

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Ich bin ein großer Befürworter von Investitionen in Gesundheit und Entwicklung weltweit. Je besser unsere Instrumente zur Messung der dabei erzielten Fortschritte sind, desto stärker können wir gewährleisten, dass diese Investitionen die Menschen erreichen, die sie am dringendsten brauchen.

Aus dem Englischen von Jan Doolan