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Die Geopolitik des Holocaust-Gedenkens

PARIS – Der 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee ist ein Anlass, der von Furcht wie von Trauer geprägt ist. Der Antisemitismus hat sich weltweit kraftvoll zurückgemeldet, so als hätten die Lehren aus dem Holocaust sich im Laufe der Zeit in Luft aufgelöst – oder schlimmer noch, als hätten sie sich nie völlig in unser kollektives Bewusstsein eingefügt.

Dieses von einer der fortschrittlichsten und kultiviertesten Gesellschaften der Welt begangene nie dagewesene Verbrechen war das extremste Beispiel des Grauens, das Menschen einander zufügen können. Angetrieben durch eine Kombination aus Furcht und Hass, können wir uns zu Ungeheuern entwickeln.

Das aktuelle Wiedererstarken des Populismus und Nationalismus macht es umso wichtiger, der Opfer von Auschwitz zu gedenken. Doch 75 Jahre später ist die Pflicht zur Erinnerung gleich doppelt bedroht: durch die politische Instrumentalisierung des Holocaust und durch die natürliche Neigung der Menschen, die Vergangenheit zu vergessen oder gleichgültig gegenüber dem Leid anderer zu werden.

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