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Der polnische Bauernaufstand

"Gepriesen ....sei der Bauer, der geboren wird, isst und stirbt, ohne jemanden mit seinen Angelegenheiten zu behelligen." So formulierte einst ein italienischer Journalist, der einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Musik bekannt ist, nämlich Giuseppe Verdi. Diese Haltung Verdis war im 19. Jahrhundert und den vorangegangenen tausend Jahren möglich, heute gilt das nicht mehr. Eigentlich ist es genau umgekehrt. In Polen beispielsweise wollen die Bauern nicht nur die Welt auf ihre Lage aufmerksam machen, sondern gleich ganz Polen nach ihren Vorstellungen gestalten.

Eric Hobsbawm gelangt in seinem Buch Das Zeitalter der Extreme zur Ansicht, dass der enorme Bauernschwund der weitreichendste Wandel im Westen des 20. Jahrhunderts war. Beinahe überall sind die Bauern von der Bildfläche verschwunden.

Nicht jedoch hier in Osteuropa. Die im sowjetischen Stil geführten Volkswirtschaften mögen sich zwar als Inbegriff industrieller Modernisierung verstanden haben, aber in den meisten der ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR war die marxistisch-leninistische Wirtschaft dafür verantwortlich, dass massenhaft Menschen in der Landwirtschaft arbeiteten. Mit den Bestrebungen Polens der Europäischen Union beizutreten, entbrannte um diese Heerscharen von Bauern der schwerste politische Konflikt, den Polen seit dem Fall des Kommunismus erlebte.

Das Landleben und die Menschen, die das Land bestellen sind in meisten Gesellschaften von einem Mythos umgeben. In der westlichen Welt gibt es jedoch zuviel landwirtschaftliche Nutzfläche, so dass Nahrungsmittel im Überfluss produziert werden. Die Menschen erkennen das, sehen jedoch das Verschwinden des Bauernstandes mit Besorgnis.