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Schweine, Kälber und die amerikanische Demokratie

In all den Schlagzeilen über den Sieg der Demokraten bei den amerikanischen Kongresswahlen im November ist ein bedeutsames Ergebnis dieser Wahlen beinahe untergegangen. Und obwohl dieses Teilergebnis die Mängel des politischen Systems in den USA offenbarte, hat es meinen Glauben an das Mitgefühl amerikanischer Durchschnittsbürger wieder hergestellt.

Im Bundesstaat Arizona können Bürger aufgrund einer ausreichenden Zahl an Unterstützungsunterschriften einen Gesetzesvorschlag zur direkten Abstimmung vorlegen. Bei den heurigen Wahlen ging es dabei um das Verbot, trächtige Schweine oder Zuchtkälber anzubinden oder in Verschlägen zu halten, die das Tier daran hindern, sich frei zu bewegen, sich hinzulegen oder seine Gliedmaßen auszustrecken.

Diejenigen, die mit den Methoden der modernen Landwirtschaftsindustrie nicht vertraut sind, fragen sich vielleicht, warum eine derartige Gesetzgebung überhaupt notwendig sein könnte. Unter Bedingungen wie sie vor 50 Jahren in der Tierhaltung überall herrschten und wie sie in manchen Ländern auch heute noch praktiziert werden, haben alle Tiere genug Platz, um sich zu bewegen und auszustrecken.

Heute allerdings verbringen rund 90 % aller amerikanischen Zuchtsauen – die Mütter jener Ferkel, die zur Produktion von Schweinefleisch, Speck und Schinken aufgezogen und getötet werden - den Großteils ihres Lebens eingesperrt in Kastenständen, die nicht größer als 60 mal 220 cm sind. Darin können sie sich weder umdrehen noch hinlegen, ihre Gliedmaßen ausstrecken oder mehr als einen Schritt vorwärts oder rückwärts gehen. Andere Sauen werden an so kurze Ketten angebunden, dass sie sich ebenfalls nicht umdrehen können.