Deutschlands wirtschaftliche Stärke: eine Fata Morgana

LONDON – Sechzig Jahre lang bemühten sich sukzessive deutsche Regierungen um ein stärker europäisches Deutschland. Jetzt jedoch will die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die europäischen Volkswirtschaften nach deutschem Vorbild umgestalten. Das ist politisch unklug und wirtschaftlich gefährlich. Anders als Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und andere prahlen, ist Deutschland nicht Europas erfolgreichste Volkswirtschaft; vielmehr ist die deutsche Volkswirtschaft in ihrer Funktionsfähigkeit gestört.

Sicher hat Deutschland seine Stärken: Unternehmen von Weltrang, eine niedrige Arbeitslosigkeit und eine hervorragende Bonität. Zugleich jedoch weist es stagnierende Löhne, kaputte Banken, unzureichende Investitionen, schwache Produktivitätszuwächse, eine düstere demografische Entwicklung und ein anämisches Produktionswachstum auf. Sein zu Lasten seiner Nachbarn gehendes Wirtschaftsmodell – bei dem die Löhne niedrig gehalten werden, um den Export zu subventionieren –, sollte dem restlichen Euroraum nicht als Vorbild dienen.

Die deutsche Volkswirtschaft ist im zweiten Quartal 2014 geschrumpft und seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008 um gerade mal 3,6% gewachsen – etwas stärker als Frankreich und Großbritannien, aber nicht halb so stark wie Schweden, die Schweiz und die USA. Seit dem Jahr 2000 liegt das durchschnittliche BIP-Wachstum bei lediglich 1,1% jährlich; damit steht Deutschland unter den 18 Mitgliedern der Eurozone auf Rang 13.

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