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Gefahr oder Hoffnung in Nordkorea?

MADRID: Zwei Tage, nachdem der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il in seinem Land in einem Zug verstarb, war dies den südkoreanischen Behörden immer noch nicht bekannt. Auch amerikanische Regierungsvertreter schienen nicht zu wissen, was vor sich ging, und das US-Außenministerium bestätigte lediglich, dass Presseberichte seinen Tod gemeldet hätten.

Die Unfähigkeit der südkoreanischen und US-amerikanischen Geheimdienste, irgendwelche Anzeichen über das Geschehen zu erfassen, ist ein Beleg für den undurchsichtigen Charakter des nordkoreanischen Regimes, aber auch für die Schwächen dieser Dienste. Nordkorea wird Tag und Nacht von amerikanischen Flugzeugen und Satelliten beobachtet, und an der Grenze zwischen den beiden koreanischen Staaten steht modernstes Spionagegerät. Trotzdem wissen wir kaum etwas über das Land, weil alle wichtigen Informationen einer kleinen, von Geheimhaltung besessenen Führungsgruppe vorbehalten sind.

Der Führungswechsel kommt zur schlimmstmöglichen Zeit. Es ist bekannt, dass die chinesische Führung darauf gehofft hatte, dass Kim Jong-il lange genug überleben würde, um die Unterstützung der verschiedenen Gruppierungen des Landes für die Nachfolge seines Sohnes Kim Jong-un zu konsolidieren.

Alle symbolischen Attribute der Macht wurden mit bemerkenswertem Tempo auf Kim Jong-un übertragen, was sich in seiner offiziellen Position bei der Beerdigungszeremonie, seinem Vorsitz im Militärausschuss und seiner Übernahme des höchsten Rangs innerhalb der herrschenden Partei widerspiegelt. Doch derartige Symbole machen den Übergangsprozess für einen jungen Mann von nicht einmal 30 Jahren in einer Gesellschaft, wo die altgedienten Spitzen des Militärs sich so viel Macht erhalten haben, nicht einfacher.