0

Perfekte Verlierer

LONDON – Die Wirtschaftswissenschaft, so scheint es, hat uns wenig über die aktuelle Wirtschaftskrise zu sagen. Tatsächlich hat kein Geringerer als Alan Greenspan, der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, vor Kurzem eingestanden, dass sein gesamtes „intellektuelles Gebäude“ durch die jüngsten Ereignisse „zerstört“ wurde.

Wenn man im Schutt sucht, kann man jedoch nützliche Bruchstücke finden. Eines davon wird als „asymmetrische Information“ bezeichnet. Das bedeutet, dass einige Menschen mehr über manche Dinge wissen als andere Menschen. Vielleicht keine besonders verblüffende Erkenntnis. Doch man wende sie auf Käufer und Verkäufer an. Nehmen wir an, der Verkäufer eines Produkts weiß mehr über dessen Qualität als der Käufer oder umgekehrt. Interessante Dinge passieren – so interessant, dass die Erfinder dieser Idee den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielten.

1970 veröffentlichte George Akerlof einen berühmten Aufsatz mit dem Titel „The Market for Lemons“ (Der Markt für Zitronen). Sein Hauptbeispiel war der Gebrauchtwagenmarkt. Der Käufer weiß nicht, ob das, was angeboten wird, ein gutes Auto oder eine „Zitrone“ ist. Er kann bestenfalls raten, dass der Wagen von durchschnittlicher Qualität ist, für die er nur den durchschnittlichen Preis bezahlen will. Da der Eigentümer nicht in der Lage ist, einen guten Preis für einen guten Wagen zu bekommen, bringt er keine guten Wagen auf den Markt. Daher nimmt die durchschnittliche Qualität der zum Kauf angebotenen Gebrauchtwagen ab. Die Zitronen pressen die Orangen aus.

In einem weiteren bekannten Beispiel geht es um Versicherungen. Dieses Mal ist es der Käufer, der mehr weiß als der Verkäufer, da der Käufer sein Risikoverhalten, seine körperliche Gesundheit usw. kennt. Das Versicherungsunternehmen ist mit „adverser Selektion“ konfrontiert, da es nicht zwischen guten und schlechten Risiken unterscheiden kann. Daher legt es einen Durchschnittsbeitrag fest, der für gesunde Beitragszahler zu hoch und für ungesunde zu niedrig ist. Das vertreibt die gesunden Beitragszahler und belastet den Versicherer mit einem Portfolio schlechter Risiken – der schnelle Weg in den Konkurs.