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Was sich Palästina von Barack Obama erhofft

RAMALLAH – Der trotzig positive Wahlkampf des designierten Präsidenten Barack Obama, in dem er sich für Wandel stark machte, hat nicht nur Millionen von Amerikanern, die für ihn gestimmt haben, Hoffnung gegeben, sondern auch Milliarden von anderen Menschen weltweit, die ihn nicht wählen konnten. Überall im Nahen Osten und anderswo mehren sich die Erwartungen, dass seine Präsidentschaft eine neue Ära für Amerikas Rolle auf der Welt einläuten wird.

Die Palästinenser identifizieren sich stark mit der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten. Viele erinnern sich an die düsteren Tage, als in der amerikanischen Gesellschaft Rassentrennung herrschte. Dass dieselbe Gesellschaft nur wenige Jahrzehnte später einen afroamerikanischen Präsidenten gewählt hat, erneuert die palästinensischen Hoffnungen, dass auch wir in unserem anhaltenden Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit siegen werden.

Obamas Wahltriumph findet in einem symbolischen Moment der palästinensischen Geschichte statt. In diesem Monat jährt sich die Unabhängigkeitserklärung des Staates Palästina zum zwanzigsten Mal. Der von der poetischen Hand meines verstorbenen Freundes Mahmud Darwisch verfasste Text kommt einer Vision gleich. Während die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) sich zuvor für einen einzigen, weltlichen und demokratischen Staat auf dem gesamten Mandatsgebiet Palästina eingesetzt hatte, unterstützte unsere Unabhängigkeitserklärung eine Zweistaatenlösung.

Die Tiefe dieses Kompromisses kann nur im historischen Kontext vollkommen verstanden werden. In dem Krieg und der Gewalt, welche die Gründung Israels 1948 begleiteten, hatten wir immense Verluste zu beklagen. Über 726.000 palästinensische Christen und Muslime – der Großteil der arabischen Bevölkerung des Mandatsgebiets Palästina – flohen oder wurden von zionistischen Milizen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. In dem Teil, der später Israel wurde, wurden über 400 palästinensische Dörfer zerstört und entvölkert.