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Palästina als gescheiterter Staat

Es scheint, als bringe jede Woche einen weiteren Rückschritt für Palästina. Präsident Mahmud Abbas’ fehlgeschlagener Versuch, eine Parlamentssitzung einzuberufen – die Hamas boykottierte ihn - könnte unweigerlich zum endgültigen Zusammenbruch der im Abkommen von Oslo festgelegten politischen Strukturen führen. Traurigerweise handelt es sich dabei aber nur um das jüngste Kapitel in der tragisch erfolglosen Geschichte der Palästinenser, einen Nationalstaat zu schaffen.

Die Palästinenser betrachten ihre Geschichte als Kampf gegen den Zionismus und Israel. Die Wirklichkeit ist allerdings komplizierter und geprägt von wiederholten Fehlschlägen, ein einheitliches politisches Gemeinwesen zu etablieren, auch wenn die historischen Umstände günstig gewesen wären.

Der erste Fehlschlag ereignete sich möglicherweise schon in den 1920er Jahren, als die britische Mandatsregierung in Palästina die beiden dort ansässigen Bevölkerungsgruppen – Juden und Araber – ermunterte, kommunale Institutionen der Selbstverwaltung für die Bereiche Bildung, Wohlfahrt, Wohnbau und lokale Verwaltung aufzubauen.

Auf Grundlage eines gewählten Gremiums, der repräsentativen Versammlung der Juden in Palästina, schufen die Juden – die damals weniger als 20 % der Bevölkerung in Britisch-Palästina ausmachten – eine Institution, die später als Nationalrat (Va’ad Leumi) bekannt wurde. Es gab regelmäßige Wahlen der Abgeordneten dieser Versammlung, an denen manchmal mehr als ein Dutzend wahlwerbender Parteien teilnahmen.