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Pakistans Krieg gegen sich selbst

LAHORE: Das heutige Pakistan ist ein Land gefangen in einem Konflikt zwischen seiner Armee und den Taliban. Es führt einen Krieg, den es selbst nicht verursacht hat. Seine Bevölkerung lebt in Angst vor Bomben- und Selbstmordanschlägen: Der Nächste könnte sich in der örtlichen Moschee, einem Internetcafé oder einem Restaurant am Straßenrand ereignen. Die meisten Pakistanis haben sich inzwischen damit abgefunden, dass Armee-Einsätze im großen Stil auf das gesamte Land ausgeweitet werden dürften.

Obwohl allen Stakeholdern – der Armee und Regierung Pakistans genau wie den westlichen Ländern – das Ausmaß der jüngsten Militäreinsätze in Swat und Buner bekannt war, zwang man Millionen unschuldiger Menschen, sich im Bombenhagel allein durchzuschlagen. Keiner evakuierte sie; sie mussten kilometer- und tagelang laufen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Die USA und die pakistanische Armee vertreten derweil offensichtlich die Ansicht, dass ihre einzige Verantwortung darin besteht, die Taliban in Schach zu halten. Erst als die Zahl der Flüchtlinge im Land auf 1,5 Millionen anschwoll – die schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Völkermord in Ruanda – entschieden sich die ausländischen Staaten, einschließlich der USA, zur Nothilfe.

Wenn die pakistanische Regierung und ihre Freunde nicht akzeptieren, dass dieses humanitäre Elend vermeidbar war, wird sich, wenn sich die Maßnahmen der Armee in Wasiristan und anderen Teilen des Landes weiter zuspitzen, eine Kette ähnlicher Katastrophen ereignen.