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Raus aus dem Heim

Lange Zeit als Land gebrandmarkt, in dem der verstorbene Präsident Slobodan Milošević einen Völkermord vom Zaun brach, ist Serbien nicht an Lob für den Schutz der Menschenrechte gewöhnt. Nun allerdings hat das viel geschmähte Serbien in einem Bereich des Menschenrechtsschutzes einen beispiellosen Schritt gesetzt und damit sämtliche Länder Zentral- und Osteuropas hinter sich gelassen, auch solche, die bereits Mitglied der Europäischen Union sind.

Im September 2006 erklärte das serbische Ministerium für Arbeit, Beschäftigung und Soziales seine neue offizielle Politik im Hinblick auf Menschen mit geistiger Behinderung. Tausende dieser Menschen, die bisher unter menschenunwürdigen Bedingungen in staatlichen Institutionen weggesperrt lebten, sollen nun in die Gesellschaft integriert werden. Mit diesem historischen Schritt setzte Serbien eine Praxis um, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwar in den reichen westlichen Ländern aber nicht im kommunistischen Block Fuß gefasst hatte.

Es ist mit dem Konzept einer freien Gesellschaft nicht vereinbar, Menschen auf Grund ihrer geistigen Behinderung zu isolieren, ihre grundlegendsten Menschenrechte zu missachten, sie von Zugang zu Bildung und Beschäftigung auszuschließen, ihnen die Freiheit der Entscheidung zu nehmen, wo und wie sie leben und welche soziale Kontakte sie pflegen möchten.

Dieser politische Sinneswandel, der darauf abzielte, die düstere Lage in diesem Bereich in Serbien zu bereinigen, kam zu einem Zeitpunkt, da das Ministerium beschloss, einen Pilotversuch landesweit umzusetzen. Im Rahmen dieses Pilotversuchs wurden seit 2003 eine Reihe von Betreuungsdiensten auf Gemeindeebene geschaffen. Dadurch wurde es Personen mit geistigen Behinderungen ermöglicht, die Institutionen, wo sie eingesperrt lebten, zu verlassen und anderswo ein neues Leben zu beginnen. Dieses Projekt zeigte, dass Menschen mit geistigen Behinderungen in der Lage sind, als gleichberechtigte Bürger zu leben, solange sie entsprechende Unterstützung erhalten.