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Das virtuelle Mittelalter

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist wohl das eindrucksvollste lexikalische Kollektivprojekt, das jemals in Angriff genommen und vielleicht auch verwirklicht wurde. Es fordert sowohl Aufmerksamkeit als auch aktive Beiträge von allen ein, denen es um die Zukunft des Wissens geht.

Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der es sich zum Fixpunkt im virtuellen Raum entwickelt hat, blieb die wahre Bedeutung von Wikipedia weitgehend unbemerkt. Seit ihrem sechsten Geburtstag im Jahr 2007 rangierte Wikipedia durchweg unter den Top Ten der am öftesten besuchten Webseiten weltweit. Täglich wird die Enzyklopädie von 7 % aller 1,2 Milliarden Internetnutzer aufgerufen, womit ihre Nutzungsrate schneller wächst als die des Internets insgesamt.

Wikipedia ist eine Enzyklopädie, zu der jeder Mensch mit einem Mindestmaß an Zeit, Ausdrucksvermögen und Computerkenntnissen etwas beitragen kann. Jeder kann einen Eintrag ändern oder einen neuen hinzufügen und die Ergebnisse sind unmittelbar für alle sichtbar – und eventuell anfechtbar.

Das Wort „Wiki” stammt aus dem Hawaiianischen und wurde im Jahr 2007 offiziell mit der Bedeutung „etwas rasch erledigen“ – in diesem Fall Änderungen im gesamten kollektiven Wissen - ins Englische übernommen. Ungefähr 4,7 Millionen „Wikipedianer“ haben 5,3 Millionen Einträge verfasst, von denen ein Drittel in Englisch und der Rest in mehr als 250 anderen Sprachen aufscheint. Überdies gibt es einen relativ großen harten Kern an Mitwirkenden: Innerhalb eines beliebigen 30-tägigen Zeitraums verfassen etwa 75.000 Wikipedianer zumindest fünf Beiträge.