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Postmoderne Weltkrise

Am Wochenende vom 7.-9. Mai 2010 blickte die EU in den Abgrund ihres historischen Scheiterns. Das Schicksal des Euro stand buchstäblich auf dem Spiel, und mit ihm drohte das Ende des gesamten europäischen Einigungsprojekts. Niemals zuvor seit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 hatte Europa einer solchen Gefahr gegenüber gestanden. Vordergründig ging es um die Stabilisierung Griechenlands und der europäischen Gemeinschaftswährung, das tatsächliche Stück hieß aber „Bankenrettung, Teil II.“

Denn ginge Griechenland Pleite, so drohten nicht nur Portugal, Spanien und andere schwächere Volkswirtschaften in der Eurogruppe abzustürzen, sondern es wäre dann zudem mit einer Panik bei Staatspapieren zu rechnen gewesen und „systemrelevante“ Banken und Versicherungen drohten in deren Folge ebenfalls zu kollabieren, und zwar nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Als sich die Staats- und Regierungschefs der EU wegen der Griechenlandkrise in Brüssel trafen, hatte der Interbankenmarkt, der für die Liquidität der Institute entscheidend ist,  bereits wieder begonnen einzufrieren, wie damals, nach dem Bankrott von Lehman Brothers. Erneut stand das Weltfinanzsystem am Abgrund und nur unter Aufbietung aller Kräfte, nämlich mit einem Rettungspaket von 750 Mrd. Euro, konnten die Staaten der Euro-Gruppe und der IMF einen zweiten Absturz verhindern.

Für die Zukunft muss man sich daher die Frage stellen, wie viele „Bail Outs“ die Bevölkerungen der  westlichen Demokratien noch hinzunehmen bereit sein werden, bevor aus der Krise des Weltfinanzsystems eine Krise der westlichen Demokratie wird. Die Antwort heißt wohl: nicht mehr allzu viele.