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Unsere Art der Wahrheit

NEW YORK – Rick Santorum, ehemaliger Senator der Vereinigten Staaten, der heuer als Kandidat der Republikanischen Partei nominiert werden möchte, um Präsident Barack Obama herauszufordern, hat ein paar sehr seltsame Dinge über die Niederlande gesagt. Zehn Prozent aller Todesfälle in diesem Land, so behauptete er kürzlich, seien auf Sterbehilfe zurückzuführen und die Hälfte der Todesfälle betreffe wehrlose Patienten, die dazu gezwungen wurden. Alte Menschen sollen sich so derartig davor fürchten, von mörderischen Ärzten getötet zu werden, dass sie ein Armband mit der Aufschrift „Bitte keine Sterbehilfe“ tragen. amp#160;

In gewisser Hinsicht müssten Santorums Falschmeldungen eine Erleichterung für ein Land sein, das aufgrund ungeheuerlicher Äußerungen rechter Populisten über Muslime und Griechen zunehmend in die Schlagzeilen geraten ist. Tatsächlich haftet Santorums Darstellung der Niederlande als eine Art fortschreitende Dystopie heute eine leicht altmodische Aura an.

Dennoch waren die Holländer beunruhigt. Manche Parlamentsabgeordnete fragten sogar, ob der Außenminister nicht eine Protestnote nach Washington übermitteln sollte.

Tatsächlich wurden Santorums Fantasien in den USA selbst rasch widerlegt. Die Washington Post kam zu dem Schluss, dass „es keinen einzigen Beweis für Santorums Behauptungen“ gebe und fand es „bezeichnend“, dass seine Wahlkampfmanager es nicht einmal der Mühe wert fanden, diese Behauptungen zu verteidigen. Eine amerikanische Fernsehstation entschuldigte sich sogar bei einem holländischen Reporter im Namen des amerikanischen Volkes.