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Eine Welt, ein Europa

PARIS – G-8, G-5, G-20, G-2, G-3 und jetzt die G-14 (die G-8 plus die G-5 plus Ägypten): Nie schien die „Mathematik“ der Weltordnung komplexer und verwirrender zu sein.

Kofi Annan versuchte zum Anlass des 50. Jahrestages der Vereinten Nationen 2005, die multilateralen Institutionen unserer Welt an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Es war ein mutiger Versuch, der zu früh kam. Die nördlichen Industrieländer waren noch nicht bereit, die neue Bedeutung der aufstrebenden Mächte sowie die Notwendigkeit anzuerkennen, ein neues Gleichgewicht zwischen Norden und Süden, Osten und Westen zu finden.

Hat die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise – angesichts ihrer traumatischen Intensität und der offensichtlichen Verantwortung der Vereinigten Staaten für ihren Ursprung – die erforderlichen Bedingungen und ein günstigeres Klima für eine größere Neukonzipierung der multilateralen Institutionen geschaffen? Es ist zu früh für die Zuversicht, dass wahre Veränderungen kommen werden. Sicher ist, dass ein neues Ausbalancieren zwischen Nord und Süd damit beginnen muss, einen ehrlichen und nüchternen Blick auf Europas aktuellen Status in unserem multilateralen System zu werfen.

Heutzutage gibt es sowohl zuviel als auch zu wenig Europa oder, um es anders auszudrücken, in den höchsten Foren der Welt sind zu viele europäische Länder mit zu vielen Stimmen vertreten. Doch in Bezug auf Bedeutung und Einfluss gibt es nicht genug vom vereinten Europa.