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Über die Zensur in Hongkong

Es marschieren zwar keine Militärs durch die schicken Einkaufszentren Hongkongs, aber ein spürbarer Hauch von Totalitarismus liegt in der Luft. Überall vernimmt man vielsagende Äußerungen: Man spricht über die Notwendigkeit von Anti-Subversions-Gesetzen, die Kontrolle der Presse, einen strikten Führungsstil und von der Anpassung Hongkongs an die neue Realität. Alles richtet seinen Blick auf den großen Nachbarn im Norden und murmelt etwas von Sachzwängen.

Als nach dem "Anschluss" Hongkongs an China im Jahr 1997 nicht gleich große Veränderungen hereinbrachen, verlor man in großen Teilen der Welt das Interesse an Hongkong. In den letzten ein, zwei Jahren beschleunigte sich jedoch die Anbindung an die Volksrepublik China entscheidend.

Die Entwicklung bei der South China Morning Post , dem führenden, englischsprachigen Blatt in Hongkong und deshalb auch ein sichtbarer politischer Barometer, offenbart einen Blick auf die momentanen Geschehnisse in den Institutionen Hongkongs. Die Atmosphäre in den Redaktionen wurde zusehends unangenehmer, als ein Chefredakteur nach dem anderen seinen Job verlor.

Es wäre übertrieben, die momentane Situation in Hongkong mit der in Deutschland in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu vergleichen, als die Nazis begannen, die deutschen Institutionen unter ihre Kontrolle und die Deutschen auf Linie zu bringen, denn in Hongkong verschwindet niemand im Konzentrationslager. Hongkong bleibt eine reiche und prosperierende Stadt. Und dennoch gelang es den Diktatoren in Peking ihre Präsenz spürbar zu machen, wenn auch nur in Form von Stellvertretern und Kollaborateuren.