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Olympolitik

PARIS – Gibt es eine Verbindung zwischen Wirtschaftsleistung und olympischen Medaillen? Erleben wir jetzt, parallel zur politischen auch die Entstehung einer sportlichen Multipolarität?

1992, unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges gewannen die Teams der USA und der ehemaligen Sowjetunion in Barcelona zusammen ein Viertel aller Medaillen. Die globale Bipolarität war noch nicht verschwunden. Bis zu den Spielen 2008 in Peking hatte sich die Welt erheblich verändert. Die sowjetisch-amerikanische Zweipoligkeit hatte einer chinesisch-amerikanischen Zweipoligkeit Platz gemacht, die zusammen 20 Prozent der Medaillen gewann.

Die Spiele in London haben diesen Trend bestätigt. Die chinesisch-amerikanische Zweipoligkeit spielte zwar bei der Medaillenzählung eine große Rolle (insgesamt 22 Prozent), war aber nicht alles beherrschend. Europa ist noch immer stark, während Asien und die Karibik viel aufgeholt haben.

Entscheidend für die olympische Leistung sind tatsächlich vier Faktoren: Bevölkerungsgröße, Sporttradition, Sportpolitik und Entwicklungsgrad. Allein kann keiner dieser Faktoren die olympische Bilanz erklären. Zusammen genommen können sie einiges bewirken.