Robyn Lee/Flickr

Gesundheitssystem ohne Zucker

LAGOS – Bei einem Abendessens in einem Restaurant in Nigerias Hauptstadt Abuja habe ich ein ungleiches Paar beobachtet. Der Mann war mindestens 60 Jahre alt, hatte aber enge Jeans und ein hautenges, ärmelloses Hemd an und trug dazu eine dicke Goldkette und eine dunkle Sonnenbrille, obwohl es nach acht Uhr abends war. Seine Begleitung, nicht älter als 22, hatte drei Freundinnen mitgebracht. Sie versuchte, ihn in die Unterhaltung einzubeziehen und hat sich sogar ab und zu ihm gelehnt, um ihn zu küssen, aber das schwaches Grinsen ihres Sugardaddy konnte über sein wachsendes Unbehagen nicht hinwegtäuschen.

Natürlich sind derartige Beziehungen weder neu noch auf Nigeria beschränkt. Nur wenig Menschen sind schockiert, wenn sie einen wohlhabenden älteren Mann mit einer jüngeren, ärmeren Frau sehen, ihr verspricht, im Gegenzug zu ihrer Gesellschaft ihre Ausbildung, eine Reise oder ihre Einkäufe zu bezahlen. Überraschend wäre es vielmehr, wenn so eine Verbindung sich zu einer tiefen und dauerhaften Beziehung entwickeln würde.

Die Beziehung zwischen Afrika und dem Westen, ganz besonders in Bezug auf das Gesundheitswesen, hat viel von dieser Sugardaddy-Dynamik. Jahrzehnte lang wurden Innovationen des Gesundheitswesens aus entwickelten Ländern kopiert, vielleicht mit geringen Abänderungen, in der Annahme, Papa weiß es am besten. Aber die Ergebnisse waren schwerfällig, teuer und fast nie nachhaltig.

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