Paul Lachine

Occupy-Bewegung im Vorlesungssaal?

CAMBRIDGE – Anfang letzten Monats wurde an der Harvard-Universität der stets gut besuchte Einführungskurs in die Wirtschaftswissenschaften meines Kollegen Greg Mankiw, Economics 10, bestreikt. Kritikpunkt der Studierenden: der Kurs verbreite konservative Ideologien unter dem Deckmantel der Wirtschaftswissenschaften undtrage dazu bei, die soziale Ungleichheit zu vertiefen.

Die Studierenden sind Teil eines wachsenden Protests gegen die moderne Ökonomie, wie sie in den führenden akademischen Institutionen der Welt gelehrt wird. Die Ökonomie hatte natürlich immer ihre Kritiker, aber die Finanzkrise und ihre Folgen haben ihnen neue Munition gegeben und scheinen die alten Vorwürfe gegen unrealistische Annahmen, die Verdinglichung der Märkte und die Missachtung sozialer Belange zu bestätigen.

Mankiw seinerseits war der Meinung, die Studierenden seien „schlecht informiert“ gewesen. Es gebe keine Ideologie bei den Wirtschaftswissenschaften, entgegnete er ihnen. Er zitierte John Maynard Keynes, der darauf hinwies, dass die Ökonomie eine Methode sei, die den Menschen helfe, klar zu denken und die richtigen Antworten zu finden, ohne dass es vorher bereits fest stehende Schlussfolgerungen gebe.

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