Obama und der Aufstieg der anderen

NEW YORK – Die amerikanischen Wahlen erzeugen normalerweise eine kurze Euphorie; das allgemeine Gefühl der Erneuerung und zukünftiger Möglichkeiten wirkt als Adrenalinspritze. In diesem Jahr wird die greifbare Erleichterung und Feier jedoch von dem weit verbreiteten Gefühl gedämpft, dass in Amerika nicht alles zum Besten bestellt ist.

Die Wirtschaftsdaten sind nahezu einheitlich düster und werden sich nicht so bald bessern, und obwohl Fragen der nationalen Sicherheit aufgrund der Finanzkrise weniger dringlich erscheinen, sind sie angesichts der instabilen Lage in Afghanistan und Pakistan und der ungelösten Probleme im Irak, Iran und in Nordkorea kaum verschwunden. Zudem hat sich die Macht des amerikanischen Präsidenten und der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren dramatisch verschoben, was unsere Ära von vorhergehenden Zeiträumen unterscheidet, als die Welt im Wandel war und ein amerikanischer Präsident vor großen Herausforderungen stand.

Bis vor Kurzem war es möglich, von einem „Aufstieg der anderen“ zu sprechen, ohne eine Verringerung der amerikanischen Macht vorherzusagen. Nun, wo das US-Militär im Irak und in Afghanistan an seine Grenzen stößt und die US-Finanzlage schwächer wird, steht Amerika vor bitteren Entscheidungen. Das ist eine ungewohnte Position für einen neuen US-Präsidenten. Selbst in den düsteren Jahren nach Vietnam, in den späten 70ern und frühen 80ern, war das Gefühl verbreitet, dass Amerika seine wirtschaftlichen Entscheidungen immer noch fällen konnte, ohne den Rest der Welt groß beachten zu müssen. Das war das Privileg dafür, die größte und dynamischste Wirtschaft zu haben – die zudem als Kreditgeber für die Welt agierte. Diese Zeiten sind vorbei.

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