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Globaler Ground Zero in Asien

NEW YORK – Das größte geopolitische Risiko unserer Zeit besteht nicht in einem Konflikt zwischen Israel und dem Iran aufgrund nuklearer Weiterverbreitung. Ebenso wenig sind es die chronischen Unruhen in einem geographischen Bogen, der sich mittlerweile vom Maghreb bis zum Hindukusch erstreckt. Nicht einmal die Gefahr eines Zweiten Kalten Krieges zwischen Russland und dem Westen aufgrund der Ukraine stellt das größte Risiko dar.

Natürlich handelt es sich bei allen diesen Entwicklungen um erhebliche Gefahren, aber keine ist so gravierend wie die Herausforderung, den friedlichen Charakter des chinesischen Aufstiegs zu erhalten. Aus diesem Grund ist es auch besonders beunruhigend, wenn offizielle Vertreter und politische Analytiker Japans und Chinas die bilateralen Beziehungen der beiden Länder mit jenen zwischen Großbritannien und Deutschland am Vorabend des Ersten Weltkriegs vergleichen.

Die Streitigkeiten zwischen China und einigen seiner Nachbarn um umstrittene Inseln und maritime Ansprüche (angefangen mit dem Konflikt mit Japan) sind nur die Spitze des Eisbergs. Da China seine Position als Wirtschaftsmacht weiter ausbaut, wird es hinsichtlich des Imports von Energie, anderen Produktionsmitteln und Gütern zunehmend abhängig von Schifffahrtsrouten. Damit verbunden ist die Notwendigkeit, eine Hochseemarine aufzubauen, um sicherzustellen, dass Chinas Wirtschaft nicht durch Seeblockaden geschwächt wird.

Doch was China für ein Gebot der Verteidigung hält, könnte von seinen Nachbarn und den Vereinigten Staaten als aggressive und expansionistische Strategie wahrgenommen werden. Und was den USA und ihren asiatischen Verbündeten als Gebot der Verteidigung erscheint – nämlich der Aufbau weiterer militärischer Kapazitäten in der Region, um Chinas Aufstieg zu steuern – könnte wiederum von China als aggressiver Versuch betrachtet werden, das Land in Schach zu halten.