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Nordkoreas mächtige Schwäche

CAMBRIDGE – Als US-Präsident Barack Obama und der chinesische Präsident Xi Jinping im vergangenen Monat ihr „hemdsärmeliges“ Gipfeltreffen abhielten, war Nordkorea eines der wichtigsten Themen. Das Thema selbst war nicht neu, aber der Ton.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten hat die Internationale Atomenergiebehörde die Verletzung des Sicherungsübereinkommens seitens Nordkoreas festgestellt. Nachdem der Norden die darauf folgende Rahmenvereinbarung, die von der Clinton-Administration 2003 ausgehandelt worden war, missachtete, verwies er die Inspektoren der Behörde des Landes, zog sich aus dem Atomwaffensperrvertrag zurück und hat seitdem drei Atomsprengköpfe gezündet und verschiedene Raketentests durchgeführt.

In diesen zwei Jahrzehnten haben amerikanische und chinesische Beamte das Verhalten Nordkoreas sowohl hinter verschlossenen Türen als auch öffentlich erörtert. Die Chinesen haben oft darauf hingewiesen, dass sie nicht wünschten, dass Nordkorea Atomwaffen entwickele, wiesen aber gleichzeitig darauf hin, dass sie nur geringen Einfluss auf das Regime hätten, obwohl China der wichtigste Lieferant Nordkoreas für Lebensmittel und Treibstoff ist. Das Ergebnis war ein Austausch, in dem China und die USA wenig mehr erreichten als eine Einigung auf das gemeinsame Ziel der Entnuklearisierung.

Der chinesische Wunsch nach einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel ist zwar aufrichtig, aber das Thema Atomwaffen hat keine Priorität für China. China war auch bemüht, ein Zusammenbrechen des nordkoreanischen Regimes und das dadurch zu erwartende Chaos an der gemeinsamen Grenze zu verhindern – und dabei geht es nicht nur um Flüchtlingsströme, sondern auch um die Möglichkeit, dass südkoreanische oder US-Truppen im Norden einmarschieren könnten.