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Für eine Zivilisierung des Marktplatzes der Ideen

CAMBRIDGE – „Wenn die Menschen erkennen, dass viele heftig umkämpfte Glaubenssätze im Lauf der Zeit umgeworfen werden”, schrieb Oliver Wendell Holmes, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, in einem berühmten Minderheitsvotum im Jahr 1919, „gelangen sie womöglich zur Überzeugung… dass das angestrebte höchste Ideal vielleicht besser durch den freien Austausch der Ideen erreicht wird – dass der beste Prüfstein der Wahrheit in der Kraft der Gedanken liegt, sich im Wettbewerb auf dem Markt Geltung zu verschaffen und dass die Wahrheit die einzige Grundlage darstellt, auf welchem sich ihre Ziele sicher erreichen lassen.”

Doch wie jeder Markt bedarf auch der Marktplatz der Ideen gewisser Regeln: insbesondere für die Marktteilnehmer sollten Normen der Aufrichtigkeit, Demut und Höflichkeit gelten. Überdies sollten sich auch alle Ideenhändler an diese Prinzipien halten.

Freilich haben Politiker den Marktplatz der Ideen über Jahrhunderte mit Beschimpfungen beschmutzt. Doch in der amerikanischen Politik gibt es überraschenderweise Fortschritte zu vermelden. Einer Studie des Annenberg Public Policy Center zufolge kam es in den letzten Jahren zu weniger verbalen Grobheiten als in den 1990er oder den 1940er Jahren.  Der republikanische Senator Ted Cruz wurde im Januar aufgrund seiner aggressiven Befragung des designierten Verteidigungsministers Chuck Hagel weithin verurteilt. Doch abfällige Bemerkungen über den Patriotismus eines Kandidaten waren in der McCarthy-Ära die Norm. Heute kommt so etwas seltener vor.  

Dagegen scheint sich die akademische Welt offenbar in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. In einer „Sozialwissenschaft“ wie der Ökonomie sollten parteipolitische Bösartigkeiten keinen Platz haben. Doch Ökonomen verfallen heute regelmäßig in persönliche Angriffe und hetzerische Polemik.