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Neue Regeln für heißes Geld

NEW YORK – Seit Jahrzehnten befinden sich die Kapitalflüsse in die Schwellenländer in einem ständigen Auf und Ab. Im letzten Jahr hat die Welt einen weiteren Boom erlebt, bei dem ein Tsunami aus Kapital, Portfoliokapital und festverzinslichen Kapitalanlagen in die Schwellenländer strömte, und es wurde angenommen, dieser Aufschwung verfüge über ein stabiles makroökonomisches, politisches und finanzielles Fundament.

Derartige Zuflüsse werden teilweise von kurzfristigen zyklischen Faktoren angetrieben (Zinsgefällen und einem Liquiditätsberg, der Anlagen mit höheren Renditen hinterherjagt, während strategische Zinssätze von null Prozent und eine weitere quantitative Lockerung die Möglichkeiten in den trägen Industrieländern verringern). Doch spielen auch längerfristige säkulare Faktoren eine Rolle. Dazu zählen die langfristigen Wachstumsgefälle zwischen aufstrebenden Märkten und Industrieländern, die größere Bereitschaft der Investoren, außerhalb ihrer Heimatmärkte zu diversifizieren, und die Erwartung einer langfristigen nominalen wie realen Aufwertung der Währungen von Schwellenländern.

Berücksichtigt man dies, so ist die entscheidende strategische Frage in den aufstrebenden Märkten heute, wie sie auf Zuflüsse reagieren sollen, die ihre Wechselkurse unweigerlich in die Höhe treiben und das exportinduzierte Wachstum bedrohen.

Die erste Option lautet, nichts zu tun und die Währung steigen zu lassen. Dies kann die richtige Antwort sein, wenn die Zuflüsse und der Aufwertungsdruck auf den Wechselkurs durch fundamentale Faktoren begründet sind (einen Leistungsbilanzüberschuss, eine unterbewertete Währung, ein großes und anhaltendes Wachstumsgefälle).