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Unkonventionelle Geldpolitik auf Stelzen

NEW YORK – Da die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften nach der Finanzkrise von 2008 nur ein blutleeres Wachstum zeigten, waren ihre Zentralbanken gezwungen, von der konventionellen Geldpolitik – der Senkung der Leitzinsen durch Käufe kurzfristiger Staatsanleihen am offenen Markt – zu einer Reihe unkonventioneller Politiken überzugehen. Obwohl die Nullgrenze bei den Nominalzinsen – zuvor nur eine theoretische Möglichkeit – erreicht und eine Nullzinspolitik umgesetzt worden war, blieb das Wachstum blutleer. Daher verfolgten die Zentralbanken nun Maßnahmen, die in ihrem politischen Instrumentarium ein Jahrzehnt zuvor nicht einmal vorhanden gewesen waren. Und nun stehen sie kurz davor, dies noch einmal zu tun.

Die Liste unkonventioneller Maßnahmen ist lang. Da war zunächst die quantitative Lockerung, d. h. der Ankauf langfristiger Staatsanleihen, nachdem die kurzfristigen Zinsen bereits auf null gefallen waren. Diese ging einher mit dem sogenannten „Credit Easing“ in Gestalt des Kaufs privater oder semiprivater Vermögenswerte durch die Zentralbanken – etwa durch Hypotheken oder andere Vermögenswerte unterlegten Wertpapieren, gedeckten Schuldverschreibungen, Unternehmensanleihen, Immobilien-Treuhandfonds und sogar Aktien (über börsennotierte Fonds). Das Ziel war, die Risikoaufschläge für private Kredite (die Differenz bei den Renditen privater Anlagewerte und denen von Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit) zu verringern und direkt und indirekt die Preise für andere riskante Anlagewerte wie Aktien und Immobilien in die Höhe zu treiben.

Dann waren da die sogenannten „Forward Guidances“, zielgerichtete Hinweise der Zentralbanken, dass diese die Leitzinsen für länger bei null halten würden, als dies durch die wirtschaftlichen Rahmendaten gerechtfertigt war, wodurch die kurzfristigeren Zinsen weiter gesenkt wurden. Eine Zusage etwa, die Nullzinspolitik für drei Jahre beizubehalten, impliziert, dass die Zinssätze für Wertpapiere mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren ebenfalls auf null fallen dürften, da die mittelfristigen Zinsen auf Erwartungen über die kurzfristigen Zinsen der nächsten drei Jahre beruhen. Und zu guter Letzt waren da die unsterilisierten Interventionen am Devisenmarkt, die über eine Schwächung der Währung den Export ankurbeln sollten.

Diese Maßnahmen haben die lang- und mittelfristigen Zinsen für Staatspapiere und Hypothekenanleihen in der Tat gesenkt. Sie verengten zudem die Risikoaufschläge für private Anlagewerte, trieben die Aktienkurse in die Höhe, schwächten die Währung und führten zu einer Verringerung der Realzinsen durch Steigerung der Inflationserwartungen. Das heißt, sie zeigten teilweise Wirkung.