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Die neue Kluft zwischen den Generationen

NEW YORK – In den Wahlmustern auf beiden Seiten des Atlantiks zeichnet sich derzeit eine interessante Entwicklung ab: Junge Leute wählen auf eine Weise, die sich deutlich von der der Älteren unterscheidet. Es scheint sich eine tiefe Kluft aufgetan zu haben, die weniger auf dem Einkommen, der Bildung oder dem Geschlecht beruht als auf der Generation, der die jeweiligen Wähler angehören.

Für diese Kluft gibt es gute Gründe. Das Leben alter und junger Menschen, so wie es heute gelebt wird, unterscheidet sich. Ihre Vergangenheit ist anders, und auch ihre Zukunftsaussichten.

Der Kalte Krieg etwa war vorbei, bevor viele der heutigen jungen Leute überhaupt geboren waren; andere waren damals noch Kinder. Worte wie Sozialismus haben nicht mehr dieselbe Bedeutung wie einst. Wenn Sozialismus bedeutet, eine Gesellschaft zu schaffen, in der geteilte Anliegen nicht unbeachtet bleiben – wo die Menschen einander und ihre Umwelt wichtig nehmen –, dann sei’s drum. Es mag vor einem Viertel- oder halben Jahrhundert gescheiterte Experimente in dieser Rubrik gegeben haben, doch die heutigen Experimente haben keine Ähnlichkeit mit jenen in der Vergangenheit. Daher besagt das Scheitern dieser vergangenen Experimente nichts über die neuen.

Ältere Angehörige der gehobenen Mittelschicht in Amerika und Europa hatten ein gutes Leben. Als sie ins Arbeitsleben eintraten, warteten gut bezahlte Arbeitsplätze auf sie. Die Frage, die sie sich stellten, lautete, was sie tun wollten, nicht, wie lange sie wohl bei ihren Eltern würden leben müssen, bevor sie eine Arbeit finden, die ihnen ermöglicht, auszuziehen.